Leipzig: S-Bahn Mitteldeutschland

  • ^ Hier ein kleines Mini-update zur länderübergreifenden Netzerweiterung.


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    Die Bahn hat neue Visualisierungen veröffentlicht und bekannt gegeben, dass Gera und Merseburg jeweils bis 2035 direkt an das S-Bahnnetz angeschlossen sein sollen. Das ergibt folgenden Fahrplan für die geplanten Inbetriebnahmen:

    • Dezember 2024: Halle - Merseburg - Querfurt (S11)
    • Dezember 2026: Leipzig - Weißenfels - Naumburg (S6)
    • 2035: Leipzig - Leuna - Merseburg
    • 2035: Leipzig - Zeitz - Gera

    Bis dahin finden umfangreiche Baumaßnahmen statt, wie z.B. der Abschluss der Sanierung aller Bahnhöfe und Haltestellen der S11 bis 2028, und der Ausbau der Strecke Merseburg/Naumburg – Leipzig (S6) auf bis zu 160 km/h.


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    Für die Direktanbindung von Merseburg soll ab 2031 der Bau einer zweigleisigen, niveaugleichen Verbindungskurve bei Spergau erfolgen:


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    DB


    Auf der Strecke Leipzig - Zeitz - Gera beginnen dann zeitgleich umfangreiche Ausbau- und Elektrifizierungsarbeiten (incl. einer Geschwindigkeitserhöhung auf 120 km/h und die Umstellung auf elektronische Stellwerkstechnik).

  • Schön zu sehen, dass man endlich auch den näheren Südwesten des Ballungsraumes in das S-Bahn Netz mit einbindet. Hoffentlich wird es nicht noch weiter herausgeschoben, lange genug hat es gedauert und für Merseburg bleibt das auch noch eine Weile so. Auch wenn sich von der Taktung her oft nichts ändert, ist es doch auch eine Frage der Zugehörigkeit und des Gefühls der besseren Erreichbarkeit.

  • Nicht schön zu sehen, wie lange manche Dinge immer noch dauern: die Verbindungskurve bei Spergau und der Ausbau Leipzig - Zeitz - Gera scheinen ja, was die Planungszeiten von 9 Jahren betrifft, Raketentechnik zu sein :/ X/

  • Auch wenn sich von der Taktung her oft nichts ändert

    Ersetzt die S6 den bisherigen RB?


    Aktuell fahren schon RE 15, RE 16 und RB 20 sowie ein IC Weißenfels an. Die Fahrzeit beträgt aktuell 26 (IC), 30 (RE) oder 37 Minuten (RB). Interessant wäre für mich, mit welcher Fahrtdauer sich hier die S-Bahn einreiht.

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  • Ja, die S6 ersetzt die Abellio-Produkte.


    Die Fahrzeit wird länger sein, da die S6 (hoffentlich) alle Stationen bedient. Die Reisezeit für die Menschen wird günstiger, da bis Bad Dürrenberg der Skizze nach ein halbstunden-Takt kommt.

  • […] die Verbindungskurve bei Spergau und der Ausbau Leipzig - Zeitz - Gera scheinen ja, was die Planungszeiten von 9 Jahren betrifft, Raketentechnik zu sein :/ X/


    Und selbst da geht es schneller voran, go Starship goooo... 😎🚀


    Was die Planungsdauer angeht stecke ich da nicht so drin um mir ein Urteil zu erlauben. Die Komplexität der Maßnahmen ist aber sicherlich hoch, zumindest was die Strecke nach Gera angeht. Schon allein der Komplettumbau des Bahnhofs Zeitz dürfte sich als sehr komplex erweisen, und einen Großteil des 342M€ - Projekts ausmachen.


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    ©wikipedia


    Allein hier werden 4 elektromechanische Uralt- Stellwerke und dutzende Weichen und Signale durch elektronisch gesteuerte Anlagen ersetzt, incl. dem Neubau von 2 ESTW.


    Was die Geschwindigkeit bei dem kleineren Projekt S-Bahn Merseburg angeht finde ich es absolut erstaunlich zu erfahren, dass die 32km lange Bahnstrecke Leipzig - Großkorbetha Mitte des 19. Jahrhunderts in gerade mal einem Jahr gebaut wurde. Für die paar hundert Meter Verbindungskurve bei Spergau brauchen wir im 21. Jahrhundert (planmäßig) 4 Jahre.

  • Die Reisezeit für die Menschen wird günstiger, da bis Bad Dürrenberg der Skizze nach ein halbstunden-Takt

    Die Reisezeit wird günstiger? Wie meinst du das? Besser wird es im Grunde nur für Reisende, die zwischen Bad Dürrenberg und Leipzig fahren, da perspektivisch dort beide Linien - von Merseburg und von Weißenfels kommend verkehren werden und so gezwungenermaßen eine halbstündige Taktung zustande kommt. Ansonsten finde ich einen Intervall von einer Stunde vor allem in der Prime-Time einer S-Bahn absolut unwürdig. Das wird sich aber wahrscheinlich nur schwer verdichten lassen, weil die Strecke ab Dürrenberg quasi ein Flaschenhals ist.

  • Zur Reisezeit gehört die Wartezeit oder Verlustzeit zwischen fahrplanmäßiger Ankunft am Ziel und individuellem Bedarf dort zu sein (Bsp: Termin 10 Uhr, Ankunft Zug 9.15 + 15 minuten Fußweg = 30 Minuten zu früh = Verlustzeit. Bei dichten Takten sind diese Verluste geringer.


    Ansonsten sind die Ziele / Qellen in einer Großstadt so heterogen, dass die Zeitverlust für Halte Stadtrand bis Hbf vertretbar sind im Vergleich zu den Gewinnen der Nutzer, die dort Ein-/Aussteigen. Wie sehr das fehlt zeigen die fehlenden Halte der S5/S5x Leipzig Nord und Essener Str.


    Und ja, absolute Zustimmung, was Taktungen größer 30 Minuten angeht. Selbst das ist auf Dauer nur mäßig gut. Bis es baulich so weit ist, sollte die Technik des Flügelns sitzen, dann wäre es einfach. ABER: Bundesweit braucht es eine Reform der Gebühren und Bestellentgelte. Noch vor der anstehenden Erhöhung machen Trassen/Stationsgebühren 60% der Zug-km-Kosten aus (Angaben des VVV) Wenn das noch schlimmer wird, fährt bald kein Zug mehr.

  • Insgesamt enttäuschend:

    Alle Fahrgäste nach Thüringen müssen künftig in Naumburg umsteigen, weil die RB 20 wegfällt. Und die Umbenennung in eine S-Bahn ohne Verdichtung ist auch für Naumburg und Weißenfels keine Verbesserung.

  • Ist denn eine Flügelung des RE16 Erfurt-Halle ab Weißenfels oder Großkorbetha nach Leipzig erwogen worden (bzw. ist das signaltechnisch dort überhaupt möglich)?

  • Insgesamt enttäuschend:

    Alle Fahrgäste nach Thüringen müssen künftig in Naumburg umsteigen, weil die RB 20 wegfällt. Und die Umbenennung in eine S-Bahn ohne Verdichtung ist auch für Naumburg und Weißenfels keine Verbesserung.

    Sehe ich grundsätzlich auch so. Die Erweiterung des S-Bahnnetzes in den Südwesten Mitteldeutschlands halte ich erst einmal dennoch für richtig und überfällig. Was die Regionalverkehre angeht, glaube ich auch, dass da noch nicht das letzte Wort gesprochen ist. Die Thüringer Bahn (Halle-Erfurt/Eisenach) wird bleiben und für ab Leipzig wird es sicher eine Alternative geben. Ich denke aber auch, wer von Leipzig aus weiter als bis Naumburg fahren möchte, wird vielleicht doch eher auf den Fernverkehr ausweichen.

  • Ja wenn man die Züge nach Naumburg/Bad Kösen/Jena von Frühjahr bis Herbst so sieht, dann gibt es neben den Pendlern einfach so viele Ausflügler. Sicher konzentriert sich das auf die Wochenenden aber ich habe schon erlebt wie Leute nach Leipzig Hbf schon nicht mehr zusteigen konnten. Mit Fahrrädern wirds dann nur noch schlimmer. Der Takt alle 60min ist auch zu dünn.


    Leider ist es wohl schon symptomatisch für das hiesige Netz oder vielleicht dem Bahnverkehr in Deutschland, dass es erstmal keine Verbesserung gibt sondern nur eine Veränderung. Vielleicht kommt man ja irgendwann auch hier auf den Trichter, dass eine Art Regio-Netz keine S-Bahn darstellt. Wenn Linien durch die Nachfrage in der kurzen und mittleren Umgebung stärker genutzt werden, man die äußeren Astteile dann weglässt. Ich meine Plauen, Zwickau, Glauchau, Dessau und Wittenberg haben zumindest von Leipzig aus, sehr wenig mit einer S-Bahn zu tun.

    Einmal editiert, zuletzt von hedges () aus folgendem Grund: Wort doppelt

  • Die LVZ berichtet (hinter der Bezahlschranke) über die aktuelle Überlastung in S5 und S5X.
    https://www.lvz.de/lokales/lei…NEXFECVJVWRMFX7KH2NI.html


    Ich hatte erst am Dienstag selbst das zweifelhafte Vergnügen, mir davon einen eigenen Eindruck machen zu dürfen. Wollte 16:26 Uhr die S5X vom Flughafen Richtung Hbf nehmen. Zwischen Ausstieg aus dem Flieger und Abfahrt der S-Bahn lagen 10 Minuten - aber egal, nach der Sitzerei im Flieger kann man ja mal Sport machen. War rechtzeitig vor der S-Bahneinfahrt am Bahnsteig. Die S5X fuhr ein - und mir fielen die Augen aus dem Kopf. Jeder Viehtransport würde bei so einem Füllstand wegen Tierwohlgefährdung aus dem Verkehr gezogen werden. Die Passagiere der S-Bahn waren so gedrängt, dass es keine Chance mehr ab, sich selbst als halbwegs schmal gebaute Person noch in die Eingangsbereiche reinzudrücken.

    Habe dann kurz einen Lokführer angesprochen - man kann wohl nur mit reduzierter Wagenzahl fahren, weil es nicht genug Reserven und Reparaturmaterial gibt... . Was eine kurzsichtige und peinliche Mangelwirtschaft.

    Ende vom Lied - habe 70 € in eine Taxifahrt investiert und die Erkenntnis gewonnen, dass ÖPNV in Leipzig aktuell kein Verkehrsmittel, sondern ein Glücksspiel ist.

  • ^ es ist nicht nur ein Glücksspiel sondern vor allem die provinziellen Strukturen dahinter. Darüberhinaus die Annahme in Deutschland, alles dürfe nicht viel kosten und eine Weiterentwicklung wird per se in Frage gestellt.

  • So wie PhilippLE ging es mir mal nach einem Urlaub an einem Samstagmittag.


    Derweil die Probleme beim RE6 zwischen Chemnitz und Leipzig nach dem die, nennen wir sie vorsichtig "historischen Züge ohne Barrierefreiheit", ausgetauscht wurden: https://www.lvz.de/lokales/lei…PFTNBFLETKRMFZ6UNQKY.html


    Die Regionalbahn zwischen Döblen und Leipzig über Grimma fährt alle paar Monate nur mit Bussen statt mit Zügen wegen Personalmangel: https://www.lvz.de/lokales/lei…NC35HMNNC7L5QLRXF5AA.html


    Man bekommt nicht die Basics hin, das ist einfach nur schwach. Kann man nur auf Ende 2026 hoffen, aber Personal können sich die teilweise neuen Betreiber ja auch nicht backen.


    Die LVB hat übrigens ne bessere Performance und hat 2024 einen neuen Fahrgastrekord hingelegt: https://www.l.de/verkehrsbetri…gaeste-im-jahr-2024-8216/


    Das hilft natürlich Leuten, die aus dem Umland nach Leipzig pendeln oder andersherum, nur bedingt.

    Einmal editiert, zuletzt von PeterL ()

  • Die LVZ berichtet (hinter der Bezahlschranke) über die aktuelle Überlastung in S5 und S5X.
    https://www.lvz.de/lokales/lei…NEXFECVJVWRMFX7KH2NI.html


    [...]

    Habe dann kurz einen Lokführer angesprochen - man kann wohl nur mit reduzierter Wagenzahl fahren, weil es nicht genug Reserven und Reparaturmaterial gibt... . Was eine kurzsichtige und peinliche Mangelwirtschaft.

    ...diese Mangelwirtschaft existierte bereits von Anfang an, sprich: seit Eröffnung des Citytunnels. Als Pendler ist man das Chaos ja gewöhnt, mir tut es eher um Spontan-/Gelegenheitsreisende leid, die durch die Situation abgeschreckt werden. Momentan habe ich das Gefühl, die MDV hat die Strecke grundsätzlich aufgegeben und gibt sich keine Mühe mehr nachzubessern - denn im kommenden Jahr übernimmt dann ja eh ein anderer Betreiber: https://www.laenderbahn.com/ak…der-schiene-nach-leipzig/

  • Als regelmäßiger Halle-Leipzig-Penler kenne ich die Problematik. Sie tritt wellenartig auf: in den letzten 4-6 Monaten lief es gut und S5 und S5X kamen in der Regel zweiteilig, v.a. in der Rush-Hour (das ist bspw. die o.g. Zeit halb fünf). Aktuell gibt es wieder Probleme weil die Züge turnusmäßig zur Wartung müssen. Leider schafft es die DB nicht, die Züge dort und dann einzusetzen, wenn sie am meisten gebraucht werden (bspw. morgens zwischen Markkleeberg und Halle). Ob der neue Betreiber mehr Reservezüge haben wird, bezweifle ich ...


    Generell empfiehlt sich bei der S-Bahn antizyklisches Reisen :-). Und: Halle-Leipzig läuft immer noch besser als Chemnitz-Leipzig (da ist schon mal die Empfehlung vom Begleitpersonal, doch ab Chemnitz über Döbeln zu fahren ...

  • Aber den Leuten das Parken, ja sogar das Halten in kompletten Straßenzügen in Leipzig verbieten und auf den ÖPNV als Alternative verweisen. Ich bin ein absoluter Befürworter der Verkehrswende, aber so macht man den Umstieg auf die Öffentlichen nicht attraktiv. Der ÖPNV ist unzuverlässig. Und so nimmt man die Menschen bei einem solchen Wandel auch nicht mit. Und ich kann mir gut vorstellen, dass die finanzielle Ausstattung des ÖPNV in den kommenden Jahren auch nicht besser werden wird.

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    Na, in welchen Straßenzügen ist denn das Parken oder sogar Halten neuerdings komplett verboten in Leipzig?


    Nur ist es doch so: es sind die Parteien / Vereinigungen, welche den Stadtraum gerechter auf die Verkehrsarten verteilen wollen, ja auch diejenigen, welche den ÖPNV ausbauen, stärker finanzieren und günstiger machen wollen. Jene Parteien / Vereinigungen, die aber gegen jeden Meter Radweg und jeden neuen Straßenbaum kämpfen und darauf verweisen, dass erstmal der ÖPNV besser sein sollte, sind auch diejenigen, die den Ausbau des ÖPNV blockieren, damit sich ja nichts am Status Quo ändere.


    Ob das nun Voten gegen Planungen der Südsehne auf kommunaler Ebene, nicht-Durchreichung aller Regionalisierungsmittel an die Zweckverbände auf Landesebene, oder die starke Erhöhung der Trassenpreise aufgrund der durch die Schuldenbremse nötigen Eigenmittelerhöhung der DB INfraGO auf Bundesebene sind.


    Die Stadt Leipzig hat es während des letzten Stadtrates geschafft, beim ÖSPNV eine kleine Wende einzuleiten (deutliche Angebotssteigerungen seit letztem Fahrplanwechsel, deutlich geringere Ausfallquoten, und ich will gar nicht an die um Wochen zu langen "Ferienfahrpläne" erinnern. Und Netzerweiterungen werden zumindest geplant statt nur offengehalten).


    Das gleiche lässt sich auf Landes- und Bundesebene nicht sagen, und eine nochmalige Verschlechterung ist in Sicht. Das sind doch aber die Ebenen, in denen der SPNV zum positiven oder negativen beeinflusst werden kann. Und da sehen die Merheitsverhältnisse nunmal anders aus.


    Mal als Frage zurückgestellt: Welche Entscheidungsspielräume hat denn die Stadt / der Stadtrat in der Hinsicht? Denn das sind ja diejenigen, die du Nuperus in deinem ersten Satz kritisierst. Die Kritik müsste meiner Meinung nach an die Ebenen darüber gehen.