Dresden: Carolabrücke, St. Petersburger Straße, Carolaplatz

  • Der 26iger Ring, den unsere Vorfahren ziemlich logisch entwickelt haben, läuft nun mal nicht über die Carolabrücke und St. Petersburger Str. , da hat die Nachkriegsplanung ziemlich viel Chaos angerichtet.

    Wobei sogar in den Planungen der 70er-Jahre diese Verbindung über die Carolabrücke nicht als einer der großen Hauptverkehrswege eingezeichnet war, sondern nur als eine wichtige Verbindung unter anderen.

  • Das ist alles insofern nicht mehr vergleichbar, als man ja bewusst (!) die Achse Bahnhof - Prager Str. - Schlossstr. - Augustusbrücke - Hauptstraße - Albertplatz schrittweise abgeschafft hat

    Wir können ja in Zukunft wieder Straßenbahnen und Autos über die Prager Str. und die Hauptstr. fahren lassen, so wie früher.

  • Während die Lokalmedien über die weiteren Abrissarbeiten berichteten, gings real draussen seit Wochen nicht weiter. Das ändert sich aber in Kürze.

    Sachsen-TV zeigt am Konkretesten wie man sich die Technologie vorzustellen hat. Der Einhängeträger über der Schifffahrtsrinne wird mit 1400 t am Stück ausgehoben, man darf gespannt sein. Schwimmpontons, Mengen an Großhydraulik und eine Seilsäge sind kaum weniger spannend.


    Am Ende des Videos sieht OB Hilbert zwar die aufkommende Brückendebatte, verortet einen geänderten Neubau (egal ob modern oder histor.) auf die Zeitschiene 10 Jahre. Daher, so der OB, komme nur ein Ersatzneubau innerhalb von ca. 5 Jahren in Betracht. Immerhin: der Stadtrat entscheidet es.

    Mal abgesehen von den "10 Jahren", wo sicher die schöne Trödelei bei Planfeststelung mit drin ist, und welche man natürlich genausoschnell auch einfach abschaffen könnte, sollte der Stadtrat aber nicht nur eine Husch-Variante vor der Nase haben, wobei jene sich gerne auch über Jahre verzögern könnte...


    Motive vom Wochenanfang. nur der Kampfmittelräumdienst ist auf den Wiesen neben der Brücke tätig und buddelt mal hier, mal da etwas herum.

    Es sind sicherlich schon erste Abschiedsbilder, das Adiö zum Betonmonster fällt mir allerdings leicht, ein neues hingerotztes Betonmonster braucht auch niemand.

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    alle fotos elli kny

  • Die Initiative Carolabrücke war offensichtlich, im Gegensatz zu allen anderen, in der Lage zu googeln und hat herausgefunden, wer Dresden eine Behelfsbrücke bauen kann. Baubürgermeister Kühn hatte entsprechende Anfragen im Bauausschuss stets damit abgespeist, dass THW und Bundeswehr das nicht könnten.


    Hier geht es zur Presseerklärung:

    https://initiative-carolabruecke.de/aktuelles/


    Visus gibt es auch:

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    Wird spannend, wie der Bauausschuss am Mittwoch darauf reagiert.

  • Ich sehe wenig Aussicht auf eine Behlefsbrücke, weil sie einfach zu teuer sein wird. Schon die Elisenbrücke in Ostberlin gebt ihr mit 18 Mio an.

    Ich sage voraus, daß man sich in der Verwaltung nicht mit einer Behelfslösung beschäftigen wird. Der OB trommelt schon rum (SäZ paywall), daß es nur die schnellstmögliche Neubaulösung geben kann. Dort ist jetzt die Kampflinie, ob sich eine Stadtgesellschaft gegen Einzelne durchsetzen kann.

    Ich würde also:

    1. die Behelfslösung nicht weiter mit der historischen Carolabrücke (KöCa) verknüpfen - also ein Interim weil KöCa viel länger dauert. Ich würde vielmehr die immergleichen Aussagen, daß Planfeststellungen irgendwas um 7 bis 10 Jahre dauern, infrage stellen. Genau dort kann man auch auf 2-3 Jahre verkürzen, Bürokratieabbau, selbst Frau Kraushaar als neue Verkehrsministerin und vormalige solche Behördenchefin will nun "alle Sanierungen aus der PF-Pflichtigkeit" rausnehmen. Warum nicht auch "Neubauten", welche kleiner sind als das alte Lichtraumprofil der DDR-Carolabrücke und folglich nirgends "neu" in die Umwelt "eingreifen"?

    Wenn man sowas wöllte, wäre es ganz einfach und ganz schnell umsetzbar. Planbefreiung bei klaren und hier eingehaltenen Randbedingungen.

    Und wenn weitere Pfeiler etwas Wiese mit Käfern wegnähmen, dann sollte das "übergeordnete gesellschaftliche Interesse" ebenso im Vordergrund stehen, wie es bei etlichen extremen Landschafts- und Umweltzerstörungen im Umland locker über die Bühne geht, zB am neuen Stromnetzknoten Wilschdorf.


    und 2.: Im SäZ-Artikel präferiert Brückenprof Marx eine Stahlverbundbauweise wie an der Flügelwegbrücke. Es fand vor Tagen das jährliche und traditionelle Brückenbausymposium an der TUD statt, wo eben Marx und auch OB Hilbert waren. Hilbert brachte in seiner Rede für eine schnellste Lösung eigentlich nur das Argument mit den Chipansiedlungen vor, also daß die Infrastruktur (aka Brücke) bis zum Hochfahren der Fabs fertig sein müsse. Das sehe ich nun gar nicht so, denn a) war der Brückensturz eine Katastrophe, b) wird die Tram-8-Extension erst Jahre später fertig, c) interessieren gute Radweganbindungen an die Chipriesen doch auch nicht - keine signifikante Besserung in allen letzten Jahren, obwohl aberhunderte Beschäftigte dies nutzen möchten.

    Auch hier wird es auf die Stadtgesellschaft ankommen, ob man sich so verführen lässt, oder ob ALLE Argumente abgewogen werden. Oder anders gesagt:

    Ist die Gesamtstadt nur noch Anhängsel der Chipriesen und des Klotzscher Chip-OBs, oder macht man mal echte Stadtentwicklung für alle in der Stadt?

    Die halbe Stadt samt Umland wollen zB eine dicke Autobrücke zurück, aber es gibt eben auch die andere halbe Stadt und hier alle Innenstadtbewohnenden.

    Wichtig wird, ob die Lokalpresse mehr darbieten kann, als nur die Statements vom OB oder anderer Einzelner der Obrigkeit wiederzugeben.


    Also Fazit: PF-Verfahren stark verkürzen/entschlacken, dann ist auch eine hisorisierende Carolabrücke in 5 Jahren machbar.

    Damit entfallen Behelfslösungen und alle Gegenargumente gegen jene KöCa-Lösung. Im Grunde widerspricht Hilberts Drängen den Entwurfsvarianten, die BauBM Kühn ja erarbeitet und noch vorlegen möchte. Hauptsächlich gehts nun darum, ob der Blick weniger Obriger zählt, oder ob alle Dinge auf den Tisch kommen und ob die Stadtgesellschaft eine fundierte Debatte erringt, damit der Stadtrat den Willen der Gesellschaft auch aufnehmen und beschließen kann.

  • Hilbert und Kühn sind auch durchaus nicht vollständig einer Meinung.


    Es befremdet mich sehr, dass einige nicht erkennen wollen, dass die Flügelwegbrücke an einem anderen Standort steht als die Carolabrücke. Städtebau, Architektur wird derzeit kaum diskutiert. Auch sollte man darüber nachdenken, dass die Flügelwegbrücke nur 70 Jahre durchgehalten hat, nicht 150 Jahre, wie die Dresdner Bogenbrücken.


    Hysterie kann man selten mit guten Argumenten einfangen, daher hat die Initiative Carolabrücke einfach mal den Vorschlag für die mit Abstand schnellste und günstigste Lösung ins Spiel gebracht. Alle Argumente für einen Ersatzneubau sprechen in noch viel stärkerem Maße für eine Behelfsbrücke.


    Natürlich kostet eine Behelfsbrücke Geld. Geld, mit dem man sich Zeit kauft. Ebenso, wie sich mit einem 100-Millionen-Kreditpaket Zeit gekauft wird. Zinskosten und Hilfsbrückenkosten dürften sich die Waage halten, nur dass eine Hilfsbrücke noch deutlich schneller eine Elbquerung herstellt.


    Die eigentliche Brücke muss dann natürlich trotzdem noch finanziert werden. Aber Bundesprogramme aus dem neuen "Sondervermögen", Spenden für eine schöne, historisch angelehnte Brücke, Rücklagenbildung, Grundstückserlöse in der östlichen Innenstadt: das alles entlastet den städtischen Haushalt, anders als stumpfsinnig aufgenommene Schulden, die 20 Jahre abbezahlt werden müssen.


    Für die Elsen-Behelfsbrücke hat die Stadt Berlin übrigens nur 1,8 Millionen Euro, also 10 % zahlen müssen. 90 % bekam sie über GRW-Fördermittel gefördert.

  • ^ Hilbert ist der Chef von Kühn, daher droht Ungemach, und vielleicht wird Kühns Variantenvorschlag torpediert bzw nicht wirklich berücksichtigt.

    Hoffen wir alle mal, dass die Stadtgesellschaft wenigstens (theoretisch) diese Varianten zu Gesicht bekommen darf, um sich überhaupt eine Meinung zu bilden. Knackpunkt wird sein, wie sich unsere Stadtgesellschaft überhaupt Wort verschafft, wo sie medial vorkommt, denn es gibt eigentlich wenig Artikulationsmöglichkeiten. Bislang wird nur von eurer BI berichtet, bzw auch mal von der Position der GHND. Dann wieder wochenlang Stille.


    Um die Flügelwegbrücke gehts nicht, sie wurde nur als Beispiel genannt für eine Stahlverbundbrücke. Da könnte man auch die neue Gottleubatalbrücke südlich Pirna nehmen oder andere. Diese Bauform würde auch ich präferieren bzw eine heutige Spannbetonlösung. Ich hatte es ja schonmal anklingen lassen, daß ich eine historisierende Carolabrücke mit der halben Anzahl der Pfeiler zur alten KöCa-Brücke als machbar ansehe, die somit grösseren Spannweiten im Flussbereich können so schlank und verträglich gelöst werden und es wäre kein Strompfeiler nötig. Der Gesamtentwurf würde also eine Anlehnung an die alte Brücke sein - allerdings eine, die schon viel Ähnlichkeit durch gleiche Gesaltungselemente zeigte.


    Ja, der kommunale Beitrag zu einer Behelfsbrücke könnte bei grosser Förderung sehr gering sein, dann würde man das vielleicht auch prüfen.

    Leider ist unklar, ob in Sachsen analoge Handhabe mit GRW-Mitteln besteht, oder ob die Landesebene wie so oft die Weitergabe manipuliert oder hindert.

    In Bad Schandau kommt eine Behlefsbrücke, dabei hieß es noch vor Tagen, daß nach "erfolgreichem Belastungstest" eine "Verkehrsfreigabe möglich" sei.

    Unklar ist ferner, wann welche Gelder aus dem Bundes-Sondervermögen eintreffen werden. Das kann sich zeitlich hinziehen und der Hektik des OB wie auch dem Planungsverlauf zuwiderlaufen. Denn man kann schon Hoffnung haben, dass die Carolabrücke bedacht wird, allerdings ist die Stadt hier echt zum Warten verdonnert, denn sie wird sich das nicht entgehen lassen können. Das spielt ein wenig für länger zu planende Varianten.


    Einen aktuellen Überblick über den kommenden Bauablauf beim Abriss bietet DNN free.

    Erste Pontons und Hydraulikpressen sind vor Ort (altstädter Seite), aber es ist noch nicht gut zu erkennen. neustadt-ticker berichtet und zeigt Fotos.

    Und eine PM des Freistaates gibt die Einweihung der 45m langen Forschungsbrücke in Bautzen bekannt, welche als Folge des Carolaeinsturzes nun Daten über Belastungstests bis zum Versagen liefern wird, da hiervon die bundesweiten Brückenprüfungsregularien von Spannbetonbrücken abhängen.

    Die Teststrecke umfasst auch einen digitalen Zwilling der Forschungsbrücke. Der Bundesverkehrsminiter zur Eröffnung war zugegen.


    Blick heute: über den aufgeschütteten Baudamm auf neustädter Seite wurde schon an der Kappe rumgeknabbert. Dort müsste ja künftig der Radweg lang.

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  • Es bleibt meiner Meinung nach dabei, das als erstes die Breite der Brücke definiert werden sollte. Je Schmaler umso kostengünstiger wird das ganze (die endlose Diskussion um die Königsbrücker Straße lässt grüßen).

    So wie sich jetzt schon wieder Verkehrsbetriebe und Fahrradlobby gebärden wird es sehr breit und damit sehr teuer. Kühn und Hilbert beginnen da wohl schon wieder eine sehr unrühmliche Rolle zu spielen. Der Verkehrsfluss wird nicht auf der Brücke sondern an den Brückenköpfen samt Verlängerungen entschieden.

  • ^ Ganz genau, die "Breite der Brücke" ist analog der Entscheidung, welche Art von Verkehrsschneise die Petersburger werden soll.

    Wer debattiert das in all den jetzigen Monaten, wer entscheidet es am Ende, gibt oder gab es hernach überhaupt veröffentlichte Varianten oder Ansätze?

    Ich denke, daß man den Carolaplatz nicht anfassen wird. Das wäre sehr kompliziert und ist absehbar noch nicht so dringend.

    Im Fokus steht eher die Kreuzung Rathenauplatz, die man auf eine engere normale Vierungskreuzung zusammenziehen müsste, ggf mit Tramfreihaltetrasse.

    Viel mehr wird die Brückenneubaumaßnahme mE keinesfalls umfassen, ich gehe davon aus, dass nichtmal das einbezogen wird, sondern der Bauabschnitt Brückenneubau nur die Brücke samt Enden umfassen wird. Weil ich davon ausgehe, daß es keine Zweispurigkeit beim MIV geben wird, und man wohl tunlichst auch die Tram nicht in der Vierspurigkeit unterbringt (Prinzip Marienbrücke = Stau, negativ, aber auch Albertbrücke = kein Stau, positiv), müsste die neue Carolabrücke ja aufgrund regelkonformer Radanlagen breiter werden als die DDR-Carola. Das wiederum würde aber das Hoffen auf Planverfahrensbefreiung zunichte machen und alle Vertreter der Husch-husch-Fraktion in Erklärungsnot und Zwickmühle bringen.

    Wenn es so käme, müsste man sich bei "Vierspurigkeit" eben doch "mit integrierter Tram" als Kompromiss treffen. Im Grunde wäre das nicht das Schlechteste.

    Wie gesagt wird die Brücke wohl solitär errichtet und an die Bestandskreuzungen angebunden. Man muß diese Kreuzungen also nicht zwingend schon umbauen. Vermutlich hat man zunächst weder Geld noch Kapazität im Amt dafür. Wichtig ist aber, daß man planerisch vorarbeitet.

    Eine vierspurige Petersburger, die aber gebündelt an der Ostflanke des Ostringes entlang führte, ist ja schon länger im Bereich des Möglichen.

    Man müßte also in einem 2. Bauabschnitt ab Rathenauplatz bis (vorerst provisorische) Anbindung Pirnaischer Platz weiterbauen, sobald Mittel da sind.

    Kurz: die 4-Spurigkeit wird wohl bleiben, sie hindert aber die große Neustrukturierung des Gebietes nicht. Auch kann die Brücke hierzu werden wie sie will.

    Dennoch muß man für alles vorher wissen, wo man hin will. Somit sind wir wieder beim Eingangssatz: Wer debattiert/überplant das in all den Monaten???

    Auch ist etwas verwunderlich, daß noch kein Planungsbüro oder Architekt mal was initiativ herausgegeben hat. Solche Leute gibts doch, wo sind sie (bei dieser eigentlich bedeutendsten Frage)? Man kann sich an die Presse wenden oder es über die bekannten Initiativen lancieren, manche machen sowas allerdings nichtöffentlich und kommunizieren mit der Stadt-& Verkehrsplanung im Amt, daher wissen wir das nicht genau.

    Wenn Hilbert eine schnelle Neubaubrücke will, dann soll er auch sagen, welche Perspektive er für die Petersburger sieht und wo eigentlich die Radwege über die neue Brücke hin sollen? Radlobby hin oder her, richtlinienkonforme Radverkehrsanlagen sind heutzutage zwingend vorgeschrieben und genehmigungsrelevant.

  • zwischendurch mal zurück zum Großthema: Zukunftsideen für die Petersburger Schneise. Die Frage ums Schrägdach^ leitet gut zum Entwurf Georgsplatz über, denn hier wird sich dereinst auch die Frage stellen, wie man zwischen den Beständen vermittelt. (die Lingnerstadt hat ja auch keine Schrägdächer - leider).


    Den Bereich Neu-Carolabrücke/Rathenauplatz bis Pirnaischer Platz sehe ich nicht als Knackpunkt für die langfristig grundlegende Änderung des Gebietes.

    Schwieriger und varianten-vielfältiger ist definitiv der Bereich um den Georgsplatz, welcher dann anschlußfähig gen Pirnaischer Platz zu entwickeln wäre.

    Hier nun meine grob gezeichnete Vorzugsidee für Georgsplatz samt Umfeld - welche sich im Malprogramm Paint sogar nochmal wandelte.


    Prämisse war eine Lösung, welche bei Erreichung wichtiger Ziele dennoch aufwandsminimierend und umsetzungsfähig sein kann. Es ist möglich.

    So können viele Bordlagen der Verkehrsstrassen beibehalten werden, die grosse Kreuzung wird in heutiger Südostecke gebündelt. Es sind 4-spurige Autostrassen möglich. Um ein echtes Stück Stadt zu erhalten, die Kosten über Bauflächen zu revolvieren und ein sich schließendes Stadtgefüge zu erhalten, muß es gemäß diesem Ansatz möglichst viele Baufelder geben. Weite nutzlose Grünräume würde ich hier in Citylage nicht bevorzugen, da sie auch keine Refinanzierung aufzubringen vermögen. Die Tramtrasse können meist unverändert bleiben, das ist noch ein Plauspunkt. Lediglich der jetzige weite Abbiegeradius sowie die Straßenquerverbindung nahe Rathausplatz müßten verschwinden. Das ist leicht machbar. Die ganze Sache hat noch eine für uns derzeit unlösbare Unbekannte: es soll etliche unterirdische Leitungen geben, deren Verlegung sehr teuer wäre. Deren Lage ist uns unbekannt, aber diesen Faktor müßte jede professionelle Planung eben mit einbeziehen. Ob sich dann viel ändert, glaube ich allerdings nicht, man müßte notfalls Geld in die Hand nehmen bei solch einem gewichtigen Großprojekt.


    Kurzerläuterung zu Zeichnung 1: die Grünfläche zw. Petersburger und Bürgerwiese würde zu Bauflächen. Hier wurden letzte Jahre noch Bäume gepflanzt, der GB7 (Umwelt, Stadtgrün) müßte hier seine Zustimmung geben (ebenso wie am Pirnaischen Platz zw. Prom.ring und Petersburger). An Nr.3 im Bild kann eine ausgleichende Grünfläche mit Aufenthaltsqualität entstehen. Im alten Stadtmodellfoto ist die Lingnerstadt nicht aktuell drin, daher können die Quartiere zum Georgsplatz auch anders geordnet und geformt werden. Darauf kommts zunächst nicht an. An Nr.1 ist die Lage des historischen Georgsplatzes - also anders als man es heute denkt. Hier ließ ich offen, wie die Gestaltung des Raumes ist. Da gäbe es viele Möglichkeiten. Die Frage ist auch, ob man die neue Kreuzung als Georgsplatz betrachtet, ansonsten kann hier eine neue Adressbildung sein. An Nr.2 im Bild könnte eine Reko der Kreuzschule angeordnet werden.

    Das Entscheidende am Ganzen ist die doch große Baufläche in der Mitte des Gebietes mit immerhin vier Quartieren und einem sich daher ergebenden Strassenkreuz. Hier wären, wie auch andernorts sogar Wohnungen in allen lärmabgewandten Seiten möglich. Fassadenfluchten, Eckausformungen (-rundungen, -abschrägungen) sowie Sichtbeziehungen habe ich grob mitbedacht, wären aber schon Detailplanung. Den Külzring könnte man irgendwo abschwenken lassen, um enger an der Waisenhausstrasse zum Georgsplatz zu gelangen.

    Fazit: Sowas oder so ähnlich MUSS sich mE bei kommenden Entwürfen ergeben. Viele der Bauflächen sich selbstverständlich zur Veräußerung an Bauinvestoren vorgesehen, die Stadt machts das ja nicht selbst, sondern soll von nennenswerten Einnahmen profitieren, um den Rest zu finanzieren.

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    In Zeichnung 2 wollte ich eigentlich obiges nur wiederholen, aber es geschah etwas Gutes: es kam eine abgewandelte Variante heraus. Das zeigt, daß man durch geringe Verschiebungen schon auf andere Konfigurationen kommt. Man sollte Varianten entwickeln, am Ende MUSS man sich mE auf eine festlegen.

    Hier geht der Blick nun bis Pirnaischer Platz. Auch in diesem Entwurf geht es um möglichst stadtverträgliche Quartiersgrößen - also nicht wieder so riesige wie am Ferdinandplatz, eher klein und fein, nutzungsgemischt, teils sogar parzelliert. Die beiden Quartiere am Prom-Ring sollten möglichst breit sein, ggf würde ich eine Baumreihe opfern. An der weissen Fläche im Bild läge der historische Georgsplatz, hier wäre als Abgrenzung zum Rathausplatz eine Trennbebauung denkbar, welche es einst als Bebauung auf dem Ring schon gab. Hier wäre auch eine translozierte Kreuzschule platzierbar, wenn man mal träumen darf.

    Richtung Rathenauplatz sind, wie gesagt, die Dinge dann relativ einfach und vorgegeben. Dort lässt sich an Bauflächen nicht viel rausholen unter den heutigen Randbedingungen. Wäre aber zu untersuchen, was geht.

    Fazit: Es bedarf einer echten "Städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme" mit viel Stadtbau. Nur Grünräume mit paar wenigen Bauflächen wird mE nicht funktionieren. Stadt- und Verkehrsplanung müssen das vorbereiten und initiativ Ansätze/Anschübe liefern. Seit Monaten gibt es immerhin eine "Arbeitsgruppe Carolabrücke-Petersburger" im SPA, wo auch die Verkehrsplaner mit drin sind. Und es wird ein großer Wettbewerb kommen - war das für 2026 geplant?, ich glaube so war's. Die Arbeitsgruppe ist auch nötig, um die Aufgabenstellung für den Wettbewerb zu erarbeiten. Wäre gut, wenn das nicht allein intern bleibt. Vor der Ausschreibung sollte über die festgelegten Inhalte informiert werden.

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    eigene Einzeichnungen in Stadtmodellfotos

  • Aus meiner Sicht gibt es für den Georgplatz derzeit nur einen Zwangspunkt bzgl. der Machbarkeit, und zwar die Beibehaltung der Verkehrsführung Waisenhausstraße-Bürgerwiese als Kreuzung mit der Sankt Petersburger Straße - alle anderen Lösungen führen zu mehr Verkehrsfläche, bzw. mehr Kreuzungen (i. e. Bürgerwiese mit Petersburger und separat Petersburger mit Ring), was bei Beibehaltung der Petersburger und Budapester Straße als Hauptverkehrsachsen mittelfristig nicht vermittelbar ist. Alles andere steht aus meiner Sicht ausdrücklich zur Debatte:

    • (Nicht-)Freihaltung der Sichtachse Lingnerallee-Neues Rathaus
    • (Nicht-)Erhalt der vier Baumreihen auf dem heutigen Mittelstreifen der Sankt Petersburger
    • Verlauf der Sankt Petersburger Straße (heutige östliche/westliche Fahrbahn)
    • Verlauf der Straßenbahntrasse
    • (Nicht-)Bebauung des Dr.-Külz-Rings

    Zu den Vorschlägen von Elli Kny:

    Der eigentliche Georgplatz lag historisch hauptsächlich auf dem zugeschütteten Jüdenteich, also zwischen Bürgerwiese und der Waisenhausstraße, und setzte sich durch die Bebauung entlang des Rings später L-förmig nordöstlich fort. Die Platzfläche vor der Kreuzschule (warum eigentlich keine Rekonstruktion am Originalstandort?) mit Körner-Denkmal ist aus meiner Sicht essenziell für eine Neugestaltung. Allerdings muss dafür die Fahrbahn der Petersburger stadtnah geführt werden, was aus meiner Sicht zu bevorzugen wäre, weil es bis zum Pirnaischen Platz eine größere Verdichtung erlauben würde. Du scheinst dich ja auf eine östliche Fahrbahn eingeschossen zu haben; das ist ein wichtiger Punkt, warum ich das problematisch sehe. Dazu gehört, da sind wir einer Meinung, eine Platzwand gegenüber, also zwischen Bürgerwiese und Petersburger.


    Dein Entwurf lässt leider den städtebaulichen Anschluss an den südlichen Ring aus. Dort sehe ich eine Verdichtung als genauso notwendig an. Dazu wäre aus meiner Sicht, wie bei der Petersburger, die Reduzierung auf eine Fahrbahn (Waisenhausstraße) für Straßenverkehr sinnvoll; die Straßenbahn würde dann die Nordfahrbahn (Dr.-Külz-Ring) mit separatem Gleiskörper einnehmen. Die von dir freigehaltene Platzfläche stünde dann für Bebauung zur Verfügung (analog zu früher: Georgplatz 1-3/Ringstr. 40-44), als nördliche Platzwand des Georgplatzes. Die bei deinem Vorschlag vorgesehene schräge Querung des Rings durch die Straße würde aus meiner Sicht zudem eine zukünftige städtebauliche Entwicklung dort unmöglich machen und den heute bereits ausschließlich verkehrlich geprägten Raum zwischen Rathaus und Karstadt noch mehr zu einem solchen machen, übrigens mit komplizierter Ein- und Ausfädelung der Straßenbahntrasse zwischen Georgplatz und Wallstraße.


    Eine Alternative für die Verkehrsführung wäre durch Aufgabe der eingangs benannten Zwangsbedingung möglich: die (Straße) Bürgerwiese könnte bereits vor dem heutigen Schwenk zum Georgplatz zur Petersburger geführt werden (was die Wiederherstellung der durch den Schwenk abgetrennten Ecke der (Grünfläche) Bürgerwiese ermöglichen würde), um eine Verkehrsentlastung direkt am Georgplatz zu schaffen (ggf. Verzicht auf die südliche Einmündung). Bei der Relation Budapester-Bürgerwiese dürfte es sich überwiegend um Zielverkehre handeln, da für Durchgangsverkehr der Tunnel Wiener Platz zur Verfügung steht, bzw. die Wiener Straße bis zum Gerhart-Hauptmann-Platz eigentlich den Verkehr der Parkstraße/Bürgerwiese ggf. durch Ausbau eines kurzen Stücks aufnehmen können sollte, um die Innenstadt verkehrlich zu entlasten, wodurch mittelfristig eine Verkleinerung der Budapester Straße möglich wäre. Dann könnte die Hauptrichtung Waisenhausstraße-Carolabrücke werden, die Petersburger könnte am Georgplatz rechtwinklig einmünden.


    Ich glaube, die Hauptfrage bei der städtebaulichen Entwicklung dieses Raums ist: Soll die Verkehrsführung mittel- bis langfristig beibehalten werden oder nicht? Dein Vorschlag, Elli Kny, scheint erstmal vom Status Quo auszugehen, macht nachträgliche Korrekturen allerdings schwer. Meine Überlegungen gehen dahin, dass man sich bei jedem Schritt in der Planung und Ausführung nichts verbaut, also z. B. als ersten Schritt die ausufernde Verkehrsfläche verkleinert, den Südteil des Georgplatzes wiederherstellt und die nördliche Platzfläche inkl. Ausgestaltung der Straßenkreuzung und des Verlaufs der Straßenbahntrasse schrittweise anpassen kann.


    Ich hoffe, dass meine Beschreibung vorstellbar ist, denn ich habe Schwierigkeiten, das eindeutig zu visualisieren, weil so viele Alternativen und Abfolgen der Umsetzung möglich sind. Hier mal eine schnelle Skizze eines möglichen Zwischenzustandes:

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    (Orthophotos: Datenquelle: Landeshauptstadt Dresden, dl-de/by-2-0 (http://www.govdata.de/dl-de/by-2-0), opendata.dresden.de)

  • Ich finde die unterschiedlichen Ansätze hier sehr spannend und diskussionswürdig. Bisher habe ich auch die "Ostvariante" als Verlegungsmöglichkeit präferiert. Zumal dadurch der Altstadtbereich als zusammenhängende Fläche vergrößert und urbaner wird und die Trennung durch eine Hauptverkehrsachse erst zu den "neuen" Gebieten der Lingner (wie mittlerweile auch immer genannten) Stadt/Quartier/Viertel stattfindet.


    Aber die Idee von Civitas Fortis finde ich ebenso ansprechend und könnte mir einen Kompromiss vorstellen. Vor allem auch als Überbrückung der südlichen Verkehrsschneiße zum elbnahen Stadt- und Verkehrsbereich.

    Auch hier würden enstprechende Flächen zur Stadtplanung entstehen, die auch auf die mögliche Offenlegung des Kaitzbaches hinarbeiten.


    Die Petersburger müsste hier dann aber kurz hinter dem Georgplatz und ca. auf Höhe der Waisenhausstraße einen Ostschwenk machen.