Bethmannhof: Wettbewerb 2023 zu Abbruch und Neubau

  • Eine Idee: lass es die Stadt kaufen, original rekonstruieren und dann das Standesamt dort einziehen. Das gibt Platz im Haupthaus und im Bethmannhof eine märchenhafte Kulisse für die Hochzeitsfotos.


    Ich denke auch, dass die bisher bekannten Entwürfe nicht so umgesetzt werden. Die Kubatur ist vielleicht nicht das Problem, sondern eher die Optik. Man kann auch moderne Häuser mit Spolien bauen, die nicht wie ein bösartiger Fremdkörper wirken. Die neue Altstadt zeigt einige Beispiele. Zum Beispiel das Stadthaus; um nur eines zu nennen.


    ds1801 hat bspw. sehr schöne Rundbögen in seine Projektion eingebaut. Die sind urban, cozy und attraktiv. Einer der bewerteten Entwürfe hatte das auch. Ob nun ein Tonnengewölbe das passende Dach in der Altstadt ist, ... Aber egal. Selbst moderne Büros können in Bauten entstehen, die nicht dem Brutalismus folgen. Es braucht ein bisschen mehr Sorgfalt und Idee.

    Einmal editiert, zuletzt von RYAN-FRA () aus folgendem Grund: Autokorrektur

  • Bei diesen durch die Bank weg einfach nur furchtbaren Entwürfen offenbaren sich gleich zwei schwerwiegende Probleme die für das Stadtbild die bekannten negativen Auswirkungen haben:

    1. die Zusammenstellung der Wettbewerbsteilnehmer und natürlich auch des Preisgerichts. Trotz der leider furchtbar schief laufenden Lehre wo klassische Architekturprinzipien an vielen Unis verachtet werden, ist es ja nicht so, dass es überhaupt keine Architekten mehr gäbe die noch klassische Entwürfe liefern können. Krier, Patzschke, Nöfer etc haben unzählige Male bewiesen was sie drauf haben. Solche Büros waren bei den Teilnehmern aber überhaupt nicht vertreten, was für jegliche Bauprojekte in der Altstadt südlich der Berliner Straße ein absolutes Unding ist. Ähnlich dürfte sich das Problem beim Preisgericht dargestellt haben, das dann eventuell doch mal vorhandene klassische Entwürfe gerne mal mit fadenscheinigen Begründungen verhindert nur weil es nicht in die Ideologie der Mitglieder passt (ähnlichnen Gründen haben wir zwischen Dom und Römer auch die furchtbaren Bausünden Markt 30-34 zu verdanken, obwohl es für alle drei Parzellen auch hervorragende an der ursprünglichen gotischen Altbebauung orientierte Entwürfe gab).

    2. natürlich der Denkmalschutz an sich, mit seinem sinnlosen Substanzfetischismus. Sein Komplettversagen hat er ja schon mehrfach prominent unter Beweis gestellt (Senckenbergmuseum ist da ja nur die traurige Spitze des Eisbergs) und sich damit komplett delegitimiert. Erhaltenswert ist den heutigen Denkmalschützern ja überhaupt nicht die Optik als solche (zumindest sofern es sich um Vorkriegsgebäude handelt) sondern nur die Substanz, und diese Dogmatiker fordern vor Allem bei Altbauten dann meistens diese furchtbaren Brüche anstatt dass harmonisch weitergebaut werden kann.


    Beim konkreten Projekt Bethmannhof wären sicherlich auch an der Vorkriegssituation orientierte beinahe-Rekos möglich gewesen die zumindest nicht weniger Geschossfläche aufweisen als das derzeitige Gebäude, wenn man entsprechende Büros und Preisrichter eingeladen hätte. Wenn man unbedingt diese deutliche Vergrößerung der Geschossfläche benötigt, dann ist dieses Gebäude in der Altstadt dafür definitiv nicht geeignet und der Eigentümer sollte sich dann einen anderen Standort in der Stadt aussuchen. Möglichkeiten gäbe es derzeit ja mehr als genug.

    Hier rächen sich aber wohl auch wieder die heutigen Bauleitplanungsprinzipien die rein technokratisch daherkommen, das Stadtbild rein gar nicht beachten, und daher gerne mal auch viel zu viel (und an anderen Standorten wieder viel zu wenig, zB wenn es darum ginge urbane Stadtquartiere nach Vorbild der Gründerzeit zu errichten) Geschossfläche erlauben.

  • Heute interessanter Bericht in der FNP online, wonach Herr Mitsch von den Grünen sich am Entwurf stört, CDU und FDP aber meinen, er passt, selbst in die Umgebung vom Römer und orientiere sich sogar tw. an der neuen Altstadt. Selbst das DAF wird erwähnt! :)Meine Hoffnung ist, dass sich hier vielleicht doch noch etwas tut beim Entwurf, wenigstens ein bißchen mehr Rücksichtnahme auf die Bebauungen der Örtlichkeit....die Hoffnung stirbt zuletzt. Jetzt tagt erstmal der Ortsbeirat...

    https://www.fnp.de/frankfurt/e…-als-er-ist-93525801.html

  • Kritik zum Neubauentwurf des Bethmannhofs kommt nun auch vom Städtebaurat Torsten Becker. Er sagt u.a. dazu "...Die Architektursprache des Baukörpers empfinde ich für diesen Ort als fremd. Er ist seltsam monolithisch, was überhaupt nicht zur Feingliedrigkeit vieler Gebäude in der Frankfurter Altstadt passt."

    https://www.skylineatlas.de/bethmannhof/

  • Jetzt kritisiert auch die CDU die Pläne - und zwar die Römerfraktion. Sie wollen kein radikal modernisiertes Gebäude und die Traufhöhe des Römers soll nicht überschritten werden. Bericht in der FR hier.


    Heute Mittag war in dem Artikel noch ein Alternativentwurf zu sehen (leider weiß ich nicht mehr, welche Gruppe diesen entworfen hatte. Keiner der Wettbewerbsteilnehmer). Das wurde offenbar rausgelöscht.


    Ergänzung: der Alternativentwurf war, wie skyliner im Folgebeitrag zu Recht bemerkt, in der FAZ. Ich hatte das verwechselt.

    Einmal editiert, zuletzt von Megaxel () aus folgendem Grund: Ergänzung: gelöschter Alternativentwurf korrigiert

  • Der "Alternativentwurf" besteht aus einer Zeichnung des Frankfurter Ortsverbands des Vereins Stadtbild Deutschland. Ein Artikel dazu, mit aus meiner Sicht ansprechendem Bild, gibts heute auch im RheinMain-Teil der FAZ-Printausgabe.

    Die Zeichnung soll zeigen, wie die Nutzfläche des Bethmannhofs vergrößert, gleichzeitig aber das historische Erscheinungsbild beibehalten werden könnte, heißt es im FAZ-Bericht.

  • Die wenigsten Leser werden die heutige Printausgabe der FAZ-Rhein-Main-Zeitung zur Hand haben. Für die anderen die oben erwähnte Zeichnung:


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    Zeichnung: Isabel Stege

  • Der moderne, monströse Entwurf für den Neuen Bethmannhof ist laut FAZ- und FR-Meldung erst einmal vom Tisch. Der Planungsausschuss des Stadtparlaments hat sich einhellig dagegen ausgesprochen. Die CDU fordert einen neuen Wettbewerb. Planungsdezernent Quechenberger hofft indes noch auf eine verträgliche Überarbeitung durch das siegreiche Architekturbüro BGF+ - man sei mit den Investoren dazu im Gespräch.

  • So aktiv wie hier hätte man auch gegen den Molenstumpf aka "Waterfront Hotel" im Hafenpark-Quartier vorgehen können, so verhasst wie dieser Entwurf bei Bürgern, Ortsverbänden und Architekten ist.


    Hier ist es sehr zu begrüßen, dass man noch einmal in sich gehen will. Geht doch.

  • Fünf Minuten primitive Arbeit in Windows Paint zur Veranschaulichung der Aufstockung des Bethmannhofs ergeben folgendes Ergebnis.


    3q2YgjM.jpeg


    Es zeigt, wie man mit einfachen Mitteln ein ansehnliches Ergebnis für die Frankfurter Altstadt erzielen kann – indem man 1) ein historisches Merkmal einigermaßen originalgetreu bewahrt und 2) gleichzeitig durch erweiterte Dimensionen zusätzlichen Raum schafft.

  • Soetwas halte ich auch für die beste Lösung, offenbar und aus gutem Grunde hängt die Stadtgesellschaft am Bethmannhof, so wie er ist. Wenn also dessen Fläche vergrößert werden soll, dann vergrößere man das was die Menschen so lieben. Aufstocken, und dabei Stil und Gestalt treu bleiben und auf kontrastierende Experimente verzichten. Ich denke da würde sich die Kritik der Bürgerschaft schnell beruhigen. Klar gibts immer ein paar Architekten, die das kritisieren, aber das ist ja deren Job.

  • Das sieht ästhetisch von außen gut und passend aus, Respekt. Ich frage mich allerdings ob das den heutigen Ansprüchen an Büroräume, die eben lichtdurchflutet sein sollen, entspricht. Und ich fürchte nur so wird man Mieten bekommen, mit denen man den sicherlich sündteuren Umbau finanzieren könnte.