Sanierung und Erweiterung Komische Oper (in Bau)

  • Im Baunetz gibt es heute eine große Bildstrecke zu den prämierten Entwürfen inkl. Modellfotos und Grundrissen.

    Ich hab mir beim Durchklicken mal die Pläne angeschaut. Dabei ist mir etwas aufgefallen, auf das ich mir noch keinen Reim machen kann. Im Gewinnerentwurf ist ein drei-geschossiger Gebäudeteil mit Dachgarten und Penthouse enthalten (Bild #9), der in anderen Grundrissen als 'Bestand Hotel' markiert ist. Auf Bild #31 sieht man, dass dieser Gebäudeteil über der Grundstücksgrenze steht. Gleichzeitig wird das bisherige Funktionsgebäude entlang UdL (der Bestandsplattenbau) als außerhalb der Grenze dargestellt. Läuft da ein Immobiliendeal mit Flächentausch (i.e. das Land gibt Flächen ab) und falls ja, finanziert dieser die Erweiterungsbauten? Weiß jemand genaueres?

  • Hab ich irgendwas verpasst? Steht ein Entwurf für die Neugestaltung der Oper zur Diskussion oder tatsächlich die Existenz der Oper selbst? Meines Wissens ist Letzteres nicht der Fall und somit wird hier viel heiße Luft bewegt. Das schreibe ich als jemand, der seine Freizeit deutlich lieber im Tierpark, sonstwo in der Natur oder aber an vielen anderen Orten verbringt und das Geld persönlich auch anders investieren würde.


    Aber der Entwurf hat mE etwas. Er wirkt nicht zu gewollt und doch auch nicht langweilig oder austauschbar. Eigentlich sollte man sich mE freuen können, wenn ein prominentes Haus an dieser prominenten Adresse ein etwas repräsentativeres Gesicht erhält. Zugleich finde ich es völlig ok und sogar erfrischend, wenn die Linden nicht zu schwer, steinern oder gar preußisch daherkommen.

    jetzt hat es mal jemand ausgesprochen: Berlin darf nicht preußisch sein. Und München nicht mehr bayerisch? Was ist daran schlecht preußisch zu sein?

  • Nein, Jan85 hat gesagt es sei erfrischend, wenn es nicht (zu) preußisch daherkommt.


    Eine Smoking Gun, dass es hier eine antipreußische Verbots-Kabale zu unterbinden gilt, ist das mE nicht.

  • Nein, Jan85 hat gesagt es sei erfrischend, wenn es nicht (zu) preußisch daherkommt.


    Eine Smoking Gun, dass es hier eine antipreußische Verbots-Kabale zu unterbinden gilt, ist das mE nicht.

    wer bringt hier Waffen ins Spiel - ich ganz bestimmt nicht. Keine Verbots-Kabale existiert in einer Stadt in der über 70% zerstört waren? Das Theater, also das wichtigste des Theaters, also der Theatersaal hat als einer der einzigen den Krieg überlebt. Warum kann man ihm nicht halbwegs sein passendes umliegendes Ambiente zurück geben? Da jeder Neubau seit ca. 70 Jahren völlig untraditionell und unpreußisch modern ist, und falls es da wirklich keine Verbote gibt, würde ich das begrüßen. Hier gibt es die Chance einen ganzen Häuserblock wieder aufzubauen, womit man die völlig entstellte Altstadt Berlins heilen könnte...



  • Nein, Jan85 hat gesagt es sei erfrischend, wenn es nicht (zu) preußisch daherkommt.

    zu preußisch? Wieviele Gebäude im westlichen Teil des Linden-Boulevards sind denn wirklich preußisch? So gut wie gar keine!


    Der Großteil der Gebäude in diesem Bereich ist nach dem Krieg im sog. International Style erbaut worden. Diese Nachkriegsfassaden im International Style könnten genauso gut im englischen Birmingham, im serbischen Belgrad oder im kenianischen Nairobi stehen. Daher besteht auch nicht die Gefahr, dass hier irgend etwas zu preußisch sein könnte.

  • < Ich denke jan85 meint Gebäude wie zum Beispiel das Lindencorso, das in den 90er Jahren gebaut wurde und recht streng und steinern daherkommt. So würde ich ' preussisch' in einem Architekturforum beschreiben wollen.

  • < Ich denke jan85 meint Gebäude wie zum Beispiel das Lindencorso, das in den 90er Jahren gebaut wurde und recht streng und steinern daherkommt. So würde ich ' preussisch' in einem Architekturforum beschreiben wollen.

    ich würde es ungewöhnlich finden öde 90er Jahre Gebäude, die steinerne Daherkommen als preußisch zu bezeichnen. Ich denke, die Bebauung aus der preußischen Zeit von berühmten preußischen Architekten ist viel eher als preußisch zu bezeichnen. Sonst würde sich mir der Verdacht aufdrängen, dass preußisch wieder einmal synonym Unberechtigt für schlechte und häßliche Dinge verwendet wird.

  • Ich bin ein Freund von Ensembles aber zugleich auch ein Freund von Abwechslung.


    Ich finde es gut, was rund um das Humboldtforum erhalten und rekonstruiert wurde (die Gleichsetzung "preußisch = hässlich" stammt definitiv nicht von mir, wobei mir aber auch nicht alles aus dieser Zeit gleichermaßen gefällt). Aber ebenso finde ich es angenehm, dass in anderen Abschnitten der Straße mal mehr und mal weniger gelungene Kontrastpunkte gesetzt wurden.


    Da "preußisch" tatsächlich nicht sauber von mir definiert wurde, lasse ich den Begriff meinetwegen gerne fallen und sage stattdessen: Die Linden müssen nicht einheitlich steinern, streng, seriös daherkommen. Etwas Vielschichtigkeit und vereinzelte Auflockerung/ Verspieltheit ergänzt den altehrwürdigen Teil mE durchaus positiv.

  • Hier gibt es die Chance einen ganzen Häuserblock wieder aufzubauen, womit man die völlig entstellte Altstadt Berlins heilen könnte...

    Klitzekleine Klugscheißer-Anmerkung meinerseits: das Gelände der Komischen Oper gehört nicht zur Berliner Altstadt. Diese ging nur bis zum Prinzessinnenpalais an der Oberwallstraße ;)

  • Die Jury sprach beim erstplatzierten Entwurf doch angeblich von einem Chamäleon. Ich hoffe nur, dass der erstplatzierte Entwurf dann tatsächlich farbenfroh daherkommt. Die Gitternetz-Fassaden würden in goldener Farbe einen tollen Eindruck machen. Bei den Gitternetz-Fassaden muss ich immer an das gelbe Lenbachhaus und seinen goldenen Anbau in München denken.


    Link zum Lenbachhaus:

    https://www.lenbachhaus.de/museum/ueber-uns

  • ^ Wenn der Neubau nur ansatzweise die Eleganz vom "goldenen" Erweiterungsbau des Lenbachhauses aufweisen würde, wäre ich schon sehr zufrieden. Dieser erinnert mich doch allerdings mehr an den Entwurf von JSWD.


    Diese architektonische Stringenz in den Details, Materialwahl und Ausdruck, hat der erstplatzierte Entwurf leider nicht.

  • Ich glaube das hatten wir noch nicht...


    Das Protokoll der Preisgerichtssitzung zur Erweiterung und Sanierung der Komischen Oper ist auf der Seite der Stadtentwicklung online verfügbar:


    https://www.stadtentwicklung.b…per/ergebnisprotokoll.pdf


    Darin sind nun alle Arbeiten der Ersten- und Zweiten Phase mit Abbildungen einzusehen. Sehr interessant sind die Arbeiten von Wulf Architekten mit einer symmetrischen Adaption des bestehenden Bauvolumens und des Foyers als solitäre Ergänzung, sowie von Glass Kramer Löbbert die einen geschlossenen Blockrand zu UdL und einen Vorplatz an der Behrenstrasse ausbilden.


    Für diejenigen die sich beim Exilmuseum echauffiert haben, dass keine Rekonstruktion eingereicht wurde, würde sich eine Lektüre des Protokolls mit den Bewertungskriterien unbedingt lohnen!

  • Danke, Timmi, für den interessanten Hinweis. Vielleicht sollte man nur dazuschreiben, dass die verlinkte PDF ziemlich groß ist, 113,5 MB!

  • Heute berichtet der Tagesspiegel ausführlich über die Architekten, die den Wettbewerb "Komische Oper" gewonnen gaben. Gerhard Wittfeld und Kilian Kada aus Aachen geben in einem Interview Einblicke in den Ansatz ihres Büros beim An- und Umbau der Oper. Sie wollen Workshops veranstalten und haben vor, mal einen Tag lang mit den Mitarbeitern mitzulaufen, damit sie sehen, wie die üblichen Wege durchs Haus verlaufen.

    "Wir sammeln Ideen und schlagen dann zwei, drei Lösungen vor. Am Ende aber entscheiden die Nutzer, was sie am meisten überzeugt.“


    Beim Entwurf sei es ihnen um eine klare Gliederung gegangen, die die Vielfalt der Kunstform auch nach außen tragen soll. Ein Highlight soll die 250 qm große Dachterrasse werden: "Ein auch tagsüber zugängliches Panorama-Plateau in luftiger Höhe mit Rundumblick über die ganze Berliner Mitte".



    Copyright: kadawittfeldarchitektur

  • < Bei der Visu stimmen aber die Größenverhältnisse nicht. Demnach im Vergleich mit den zwergenhaften Autos, müsste sich die Terrasse fast in 100 Meter Höhe befinden.

  • Mein Favorit wäre immer noch der Entwurf von Braunfels gewesen. Dieser würde mit dem Kanzleramt architektonisch korrespondieren und dem modernen Berlin somit etwas Kohärenz verleihen.



  • Wo sehen Sie denn bitte bei dem Braunfels-Entwurf architektonische Parallelen zum Kanzleramt? Und inwiefern wäre es sinnvoll, dass eine Fassade der Komischen Oper in der Glinkastraße mit diesem korrespondiert?

  • Mich überzeugt Braunfels nicht. Dieser weite Bogen hätte Sinn, wenn er sich zu einem Platz öffnen würde – als Hauptfassade. Er liegt aber nur in der Nebenstraße und macht dort die dringend benötigte Dichte kaputt.

  • Braunfels hin oder her. Die Entscheidung ist doch gefallen. Ob es bei dem von den Architekten angedachten "demokratischen" Prozess allerdings am Schluss so aussehen wird, wie jetzt visualisiert, steht in den Sternen. Und ob es bei den 227 Millionen bleibt, auch. Zumal es im Sommer 2023 erst einmal mit baulichen Voruntersuchungen losgehen wird.