^Ich verstehe die Kritik nicht - wenn ich dort wohnen würde, wäre ich auf ein Auto und demzufolge auf einen Parkplatz angewiesen. TGs sind zwar schön und auch ich bevorzuge sie deutlich - es kann sich aber nicht jeder einen TG leisten. Schließlich sind die Baukosten erheblich teurer als einfach ein Außenparkplatz. Ich würde mir ein wenig Differenzierung wünschen...
Parkstadt Karlshorst (Lichtenberg | in Bau)
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Es stimmt aber nicht, dass man in Karlshorst auf ein Auto angewiesen wäre. So etwas sollte man nicht einfach postulieren. Mit der Tram läuft ein öffentliches Verkehrsmittel direkt vor dem Gebäude. Einen Fahrradweg gibts dort auch. Man kann auch zu Fuß gehen. 😎
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Vor welchem Gebäude? Wir sprechen hier von einem neuen Baugebiet der allein wie ein kleiner Stadtteil wirkt. Ich weiß das hier die hälfte voraussetzt, dass sich jeder 65-jährige Rentner begeistert auf's Lastenfahrrad schwingt um sein Mineralwasser klimagerecht nach Hause zu radeln, aber dazu ist eben nicht unbedingt jeder in der Lage PLUS dazu hat auch nicht jeder Bock...
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^ Und inwiefern hilft diesem tendenziell eine Tiefgarage direkt unterm Haus besitzenden armen 65-jährigen Rentner (der "Phänotyp" deiner Argumentationswelt) dabei ein Parkplatz vor dem Supermarkt im Wohngebietszentrum, der doch recht offensichtlich (Zufahrt nur vom Blockdammweg) für Nutzende von außerhalb gedacht ist? Oder willst du damit sagen, es handelt sich hier um einen derartigen gebauten Anachronismus, dass es normal sein wird, von Planstraße G mit dem Auto mal schnell die maximal 500 Meter zum Supermarkt und Bäcker zu fahren und nebenbei Blockdammweg und Ehrlichstraße noch stärker zu verstopfen, als es heute bereits der Fall ist?
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^^ Wir reden hier davon, dass der einzige halbwegs urbane Platz des Quartiers als Parkplatz genutzt werden soll. Darf man das falsch finden? Darf man sich zum Beispiel einen Marktplatz wünschen, oder einen netten Platz mit Wasser in der Mitte und Cafés am Rand? Anscheinend nicht: Der Parkplatz ist etwas Heiliges. Verkörperung von Freiheit und gesundem Menschenverstand. Jeder Parpkplatz, der nicht gebaut wird, dagegen Ausdruck von Ideologie – Lastenfahrrad und so. Symbol der imaginierten Ökodiktatur.
Du wohnst (wie ich) in Friedrichshain und schätzt den Städtebau der Gründerzeit – aber der ist doch gerade nicht autogerecht. Und trotzdem schaffen es dort auch 85-jährige, ihre Einkäufe nach Hause zu bringen. Deiner Logik zufolge müsste man den Boxhagener Platz in einen Parkplatz umwandeln, damit die Anwohner wohnortnah parken können. Zum Glück sind solche Quartiere aber ausgenommen von den Stellplatzregeln, wie sie für Neubauten gelten. Regeln, die übrigens der städtebaulichen Moderne entspringen, mit der Du – aus Gründen – wenig anfangen kannst.
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^er muss nicht unbedingt arm sein, aber wenn ein älterer Mensch 1 oder 2 Kilometer mit Einkäufen gehen müsste, wird er das nicht tun und ein Auto bevorzugen.
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^Nun geht es aber gar nicht darum, gehbehinderten alten Leuten das Auto zu verbieten. Es geht nicht einmal darum, jungen Sportskanonen das Auto zu verbieten. Es geht nur um einen Städtebau, der das Auto nicht mehr zu seinem Dreh- und Angelpunkt macht. Um eine Verkehrspolitik, die nicht das Auto als die Norm und alles andere als Abweichung behandelt.
Würde man den Platz nicht als Parkplatz konzipieren, sondern als Platz zum Leben mit ein paar Parkplätzen zur Straße hin – dann hätte man immer noch die Möglichkeit, mit dem Auto zum Einkaufen zu fahren. Es wäre nur nicht mehr ganz so bequem, und die Leute, die 300 Meter entfernt wohnen, würden vielleicht lieber zu Fuß oder mit dem Rad kommen. Den Wasserkasten mit dem Falt-Bollerwagen nach Hause bringen oder tatsächlich mit dem Lastenfahrrad. Wo ist das Problem? Solange für die wirklich Bedürftigen (Gehbehinderte & Co.) eigene Parkplätze zur Verfügung stehen, kann ich nur Vorteile erkennen – für den Stadtraum, für die Umwelt, für die Leute, die ein bisschen Bewegung bekommen.
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Vor allem können Lastenräder, die nicht nur deutlich günstiger sind, sondern auch kleiner und leichter, problemlos von älteren Menschen gefahren werden. Es gibt viele Modelle mit extra tiefem Einstieg, mit drei Rädern und selbstverständlich auch elektrisch. Wie obskur eigentlich der Gedanke ist, dass man stattdessen ein 1,5-Tonnen schweres Gefährt bewegen "muss", um einkaufen zu können.
Was in Karlshorst aber wirklich fehlt, ist der S-Bahnhof Karlshorst-West auf Höhe der Blockdammbrücke. Dieser geistert in diversen langfristigen Erweiterungsszenarien immer wieder umher und würde nicht nur die Parkstadt hervorragend anbinden, sondern auch die teilweise noch recht dichte Bebauung nördlich der Dönhoffstraße.
Weiß jemand, was nördlich des Blockdammwegs geplant ist? Hier sind ja auch noch etliche Brachfläche, die nur auf eine Umnutzung warten. Das ist sogar noch mehr Fläche als die eigentliche Parkstadt.
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Meine Herren, dann nehmt von mir aus euer geliebtes Lastenfahrrad bei minus 10 Grad und eisigem Wind - es ist mir scheißegal. Ich nehme das Auto - lebt damit
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Ich finde den Parkplatz an dieser Stelle ebenfalls sehr befremdlich. Das hat was von amerikanisch-suburbaner commercial zone, typischerweise mit Parkplätzen im Mittelpunkt, umringt von Malls und Großhandel - Ziemlich genau der Antipol zur zukunftsgerichteten Stadtentwicklung.
Und hier geht es nicht darum, gänzlich auf Stellplätze zu verzichten. Dem Architekten muss aber klar sein, dass Architektur und städtebauliche Komposition einen Ausdruck mit sich bringen. Hier wird ein Parkplatz von drei Seiten umrahmt und mit zwei Ecktürmen betont - also eindeutig als zentraler Ort in Szene gesetzt. Der Mensch soll jedoch im Mittelpunkt des Städtebaus stehen und es ist die Aufgabe der Architektur genau das zu vermitteln..
Wie von Vorrednern vorgeschlagen, sollte daher eine Erholungsfläche mit angrenzenden Cafés und Geschäften die zentrale Rolle spielen während die Stellplätze irgendwo am Straßenrand eingeplant werden können.
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Es ging mir nur darum, dass "man" in Karlshorst nicht aufs Auto angewiesen ist, was für bestimmte ländliche Lagen ja zum Teil tatsächlich mehr oder weniger stimmt.
Wenn Du behauptest "man sei darauf in dieser Lage angewiesen", dann stimmt das einfach nicht. Und glaub mir: Es wohnen dort viele Menschen ohne eigenes Auto und sogar Erwachsene ganz ohne Führerschein. In Karlshorst ist das genauso möglich, wie in Kreuzberg. Wenn einige Singles auf Autos verzichten und größere Familien zumindest auf den Zweitwagen oder Hausgemeinschaften sich Autos teilen oder sogar Familien sich ganz ohne Auto mit Lastenfahrrad und ÖPNV arrangieren, dann sollte dass kein Grund sein, sich lustig zu machen.
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Ein paar Gedanken:
- Die hochgezogenen Laschen an den Stirnfassaden könnten auf die Gaswerksiedlung in der Köpenicker Ch./Blockdammweg bezug nehmen, die also gleich um die Ecke und in Sichtweite liegt. Es wäre dann eine Interpretation, ebenfalls ‘Klinker’, ob gelungen sei dahingestellt. In dem verlinkten Plan scheint die Schaufassade konvex zu sein - was in der Visualisierung so nicht rüberkommt.
- Für eine ‘autofreie’ Vermarktung scheint mir die Parkstadt zu abgelegen, da ÖPNV-Anbindung zu schlecht. Es gab mit der ‘13’ mal ne Linie dorthin, die die Wendeschleife aber in die andere Richtung befuhr und die ‘82’ zur Südseite des Ostkreuz. Drei Linien statt heute einer, alles nach der Wende aufgegeben. Für mich ist dieser Besucherparkplatz einfach nur eine Einsicht in die Realität, und kann leicht umgestaltet werden, wenn sich die Lage ändern sollte. Wie wir jetzt wissen, wohl nicht in dieser Legislaturperiode, da die Prioritäten woanders liegen. Der S-Bahnhof an der Sangeallee kommt in i2030 nicht mehr vor.
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Zum ÖPNV: Ich fahre häufiger in die Nähe. Vom Hauptbahnhof hat man eine Verbindung alle 10min mit sehr angenehmen Umstieg am Frankfurter Tor: 35min Fahrzeit. Haltestelle direkt vor der Parkstadt. Ich finde das ganz gut. Was müsste denn eurer Meinung nach verbessert werden?
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Die 21 fährt alle 20min, also dichterer Takt wäre ein Start. 35min, wenn die Anschlüsse klappen, für eine Strecke, für die man mit dem Taxi keine 20min braucht, haut mich jetzt nicht grad vom Hocker. Perspektivisch fänd ich eine Wiederbelebung der Strecke über Ostkreuz, Markgrafendamm, Stralauer, Holzmarktstraße, zum Alex oder über Molkenmarkt in die Leipziger wünschenswert. Der S-Bahnhof wäre super (Fahrzeit ab HBf. ca 23min), aber ist unrealistisch Am Regiohalt in Köpenick plant man jetzt 30 Jahre.
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Es sind faktisch alle 10min, weil man alternativ über Karlshorst von der anderen Seite die Anbindung hat. Einfach mal über die VVB App Verbindungen suchen. Die Anbindung ist völlig ausreichend. Und 20min im Taxi ist Wunschdenken. Maximal nachts wenn die Straßen frei sind. Sonst sind es auch 30, eher 35min.
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Es ging mir nur darum, dass "man" in Karlshorst nicht aufs Auto angewiesen ist, was für bestimmte ländliche Lagen ja zum Teil tatsächlich mehr oder weniger stimmt. ...
Naja, also wenn ich in Kreuzberg den Supermarkt, Apotheke, Arzt, Bio-Laden direkt vor der Nase habe, ist das schon was anderes. Natürlich kann man auf Autos verzichten - das geht sogar auf dem Land. Auch dort kann Car-Sharing mit Nachbarn vereinbaren, das Fahrrad nutzen, zu Fuß laufen. Das geht alles - es ist eine Frage der Schmerzgrenze. In Karlshorst wäre mir diese schon wieder zu hoch - daher Auto. Ausreichend Parkplätze sind daher wichtig um nicht künstlich eine Verknappung zu schaffen. Auch oberirdisch verstehe ich, wegen den hohen Kosten einer TG.
Die Argumente aus architektonischer Sicht kann ich aber durchaus nachvollziehen und sind aus meiner Sicht legitim. Der Parkplatz muss in der Tat nicht das Zentrum sein - es wirkt sonst eher wie eine Gewerbeansiedlung oder ein Krankenhaus.
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Ich kann mir schon vorstellen, dass dieses Zentrum bei guter Bauausführung und einem Minimum an Gespür für Materialien durch den ausführenden Architekten etwas ikonisches werden kann. Dies ist wieder eine deutsche Mentalitätssache. Wir ersticken zwar fast in Minimalismus und staubtrockener Architektur und meckern auch fleißig darüber. Dann hat einer mal ne Idee die irgendwie anders aussieht und das Geschrei ist groß. Für ein Entree in ein solches Quartier bin ich angetan vom Entwurf. Und so ehrlich bin ich, dass der Entwurf auch das Risiko birgt, dass es schief geht, der Architekt traut sich was, ich wünsche gutes Gelingen.
Das mit dem Hass auf das Auto wundert mich immer etwas. Seid ihr so oft durch die Führerscheinprüfung gefallen oder habt ihr so viele Punkte in Flensburg oder könnte ihr euch kein Auto leisten? Alle drei Punkte würde ich verstehen. Ich verstehe auch wenn Leute sagen der Verbrenner und der Geldfluss in die Golfstaaten muss aufhören - ok kann ich auch verstehen. Ich erkenne nur immer mehr in der Diskussion, dass es Menschen gibt, die mit der individuellen Fortbewegung (wohin auch immer) ein Problem haben. Vielleicht erklärt mir das mal einer.
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^ Die Diskussion der letzten Jahre rund um die Verkehrswende nicht mitbekommen? Was soll also diese Frage?
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Das mit dem Hass auf das Auto wundert mich immer etwas. Seid ihr so oft durch die Führerscheinprüfung gefallen oder habt ihr so viele Punkte in Flensburg oder könnte ihr euch kein Auto leisten? Alle drei Punkte würde ich verstehen.
Alle drei Punkte kann ich dir guten Gewissens verneinen. Im Gegenteil, ich liebe Auto fahren. Und trotzdem verzichte ich ganz bewusst in der Stadt darauf und quetsche mich lieber in eine volle Bahn oder laufe durch den Regen, als die Stadt in noch mehr Verkehr zu ersaufen.
Überlege Mal was es bedeuten würde, wenn nur alle Erwachsenen in Berlin einen eigenen PKW hätten - eine VERDOPPLUNG des MIV-Verkehrs, der Parkplätze, der Fahrspuren. Die Stadt würde im Chaos versinken oder sähe aus wie die Randbezirke LAs.
Ist leider alles OT. Dafür gibt es hier andere Threads. Dem Rest deines Beitrags zur Architektur kann ich hingegen zustimmen.
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^ Die Diskussion der letzten Jahre rund um die Verkehrswende nicht mitbekommen? Was soll also diese Frage?
Ja, ich höre seit fast einem Jahrzehnt etwas von einer sogenannten "Verkehrswende", davor nannte man das "von der Straße auf die Schiene". Auch hier im Forum wird immer wieder "Verkehrswende" gen Himmel gebrüllt. Nur ich sehe bzw. erkenne nichts von dieser "Verkehrswende". Da geht es mir wie dem armen K. in Kafkas "Schloss", alle sprachen davon und je näher er ihm kam desto weiter entfernte es sich von ihm.
Lieber Novaearion, ihrer Argumentation kann ich nicht widersprechen, wir haben keinen Dissens. Da Berlin für viele Stadtbezirke ein gutes ÖPNV-System hat, wird es auch nicht wie in Randbezirken LAs aussehen. In Bezirken wie Weißensee oder Reinickendorf ist für viele das Auto eine Notwendigkeit, wo wir wieder bei der ominösen "Verkehrswende" sind. Die Parkstadt Karlshorst hat von Nord wie Süd jeweils in einem halben Kilometer Luftlinie eine S-Bahn-Station, die Erreichbarkeit dieser stellt jedoch zumindest heute einen Hürdenlauf dar. Wer sich in der Parkstadt Karlshorst einmietet oder einkauft, der wird kaum mit der Straßenbahn herumbummeln. Da hab ich in der Karl-Marx-Allee mit der U5 vor der Haustür natürlich gut reden.
Das ist ja auch mein Kritikpunkt im Strang zu den Neubauten in Marzahn/Hellersdorf gewesen, der ebenfalls von DerBe sehr plump und inhaltsleer beantwortet wurde. Es werden keine Quartiere im Zusammenhang gebaut (Wohnen, Gewerbe, Verkehr). Bitte vergessen Sie auch nicht die vielen Planungen und Neubauten an der Köpenicker Chaussee und Nalepastraße. Also der Auto-Verkehr wird selbstverständlich mehr, nur U oder S-Bahn werden im Großen und Ganzen der räumlichen Dimension Berlins gerecht.