Rekonstruktion Karstadt am Hermannplatz (in Planung)

  • Architektenkind Geht mir sehr ähnlich. Die Kreuzberger Grünen und vor allem Herr Schmidt mit seinem Gebahren gehen mir grundsätzlich auf die Nerven und ich bin auch hier klar für das Projekt. Aber man muss in einer Demokratie auch akzeptieren, wenn sehr viele Menschen anders tticken. Und nur weil jemand anders tickt als ich, muss er nicht gleich asozial oder verblödet oder sonstiges sein. Der öffentliche Diskurs hat echt an Qualität verloren, was das Verhandeln von Standpunkten betrifft.


    Das Leben wird notfalls auch ohne Karstadt-Reko weiter gehen. Es wäre mE allerdings schon schade und gerade für die Mitarbeiter keine gute Nachricht.

  • Ich glaube nicht das Signa pleite geht. Sehr wohl aber wird es Karstadt als Druckmittel einsetzen (zu Recht). Nun ist die Frage wie die Politik pokert. Welche Stimmen sind wertvoller? Die einer arbeitenden Minderheit im Bezirk oder die einer Mehrheit der ideologisch verbohrten, subventionierten? Ich hoffe auf ersteres.

    Architektonisch ist das Karstadt-Projekt am Hermannplatz natürlich geradezu wundersam. Aber ausgerechnet der wegen Korruption verurteilte Steuervermeider Benko soll hier als angeblicher Vertreter einer "arbeitenden Minderheit im Bezirk" (by the way: was für ein ebenso falscher wie niederträchtiger Humbug) firmieren, obschon das Modell von Signa gerade darauf basiert, Karstadt/Kaufhof-Filialen gezielt durch Immobilienbewertungen ohne Not schließen und Mitarbeiter entlassen zu können?


    ARD-Dokumentation "Der Kaufhauskönig".


    Passende Lektüre:


    https://www.moment.at/story/wie-reich-ist-rene-benko


    https://www.derstandard.de/sto…eflecht-im-steuerparadies


    https://www.addendum.org/benko/

  • Klar, Schmidt hat sich auf Signa eingeschossen. Die anderen Immobilien-Konzerne sind aber auch nicht nur goldene Engel. Und, wie Recherchen ergeben scheint sich Schmidt an andere Stelle, am westlichsten Zipfel des Bezirkes, nicht zu schade, für den gerade bei Mietern umstrittenen DVI Investor und dessen WoHo zu trommeln, ein äusserst seltsames Projekt, was die Quer-Finanzierung, die Liegenschaft, Verstrickung und den verschleiernden Filz dahinter angeht.

    Kurz, viel Doppelmoral, Spaltpilz und wenig Substanz bei Schmidts Argumentationsketten.

    Quelle Focus (März 2021)


    https://www.focus.de/politik/d…pelmoral_id_13100199.html

  • Auch auf die Gefahr hin dass ich mich wieder mal ungenehm exponiere, die Zeit arbeitet eigentlich schon seit den 70ern gegen die klassischen Kaufhäuser - Veränderungen in Organisation und Struktur haben in immer kürzer werdenden Abständen versucht einem längst eingesetzten, langsamen Sterben dieses Konzeptes, mit mal mehr mal weniger langanhaltendem Erfolg entgegegenzuwirken.


    Perspektivisch ist das Schicksal eigentlich besiegelt.

    Spezialitätenkaufhäuser hätten zukünftig noch vorstellbar eine Chance, was mir ebenso befristet scheint - Die Shop in Shop Konzepte die sich in den Warenhäusern auch unter Benko mehr und mehr als Rettungsperspektive durchsetzen sind nichts weiter als Shoppingmalls die ich vermehrt als äußerst anfällig wahrnehme.

    Die Unmengen an Malls haben längst angefangen sich zu kannibalisieren - die Attraktivität sinkt mit der mangelnden Diversität der Anbieter und Warenvielfallt Nicht wieder belegbare Geschäftsräume senken die Attraktivität zusätzlich und können rasch einen Dominoeffekt auslösen/ ich empfehle jedem mal die auch architekturhistorisch interessante Dokumentation über „das Sterben der Malls“ .


    Die Wirkung die, die wachsende Digitalisierung auf den filialen Einzelhandel hat kann man schon seit längerem beobachten und längst sind viele große Markenanbieter die einst einen Großteil des klassischen Füllsortimentes der Warenhäuser bildeten, eher an Eigenfilialen und am Ausbau des Onlinedirekthandels interessiert und stehlen sich mehr und mehr aus dem Zwischenverkauf.


    Was fängt man also perspektivisch mit diesen Häusern an?

    Will man hier wirklich vorwerfen dass man Kaufhausimmobilien abseits der Stammfunktion weiterentwickelt und auf denn einsetzenden Wandel hin frühzeitig reagiert ?

    Will man die nötigen Investitionsvolumen und Marktüblichen Reflexe ein Gewinnoptimum zu erzielen leugnen?


    In dieser Dimension ist weder Philanthropie noch eine verstiegene Passion zu erwarten, ein Investment hat nunmal die Absicht das eingebrachte Kapital erheblich zu vervielfachen.

    Sofern der Aufwand von leicht eingeforderter Moral, die in der Sache durchaus unstet ist, sich hier nicht amortisiert, wird man mit ihr auch nicht rechnen dürfen.


    Bleiben lediglich Ordnungen und Gesetze die ein amoralisches Wirken weitestgehend einhegen und befrieden können. Schlupflöcher und Winkelzüge liegen in erster Linie in der Verantwortung derjenigen die, die Spielregeln in denen sich diese Investmentartististik bewegt, gesellschaftlich ausgehandelt aufstellen, ergänzen und anpassen.


    Der Bauherr mag bei der hier mit aller Vehemenz agierenden Kritikerklientel alles andere als Gesinnungskompatibel erscheinen - die Praktiken der Signa undurchsichtig aber solang sich hier keine zu ahndenden, belegbaren Rechtsbrüche zeigen und lediglich im gebotenen gesetzlichen Rahmen agiert wird, bleiben die Initiatoren des Projektes legitime Teilnehmer der städtischen Entwicklung auch in Kreuzkölln.

    Dabei ist es völlig unerheblich ob der Hauptgesellschafter bereits rechtskräftig verurteilt ist - die Strafe gilt als abgegolten.


    Man kann sich wie gewohnt leidenschaftlich moralisch Empören und das nicht abwegige Gentrifizierungspotential kritisieren - ob man in der Gewählten Feind-Freund Rhetorik und abseits der ideologisch gefärbten Stimmungsmache und Barrikadenromantik wirklich an einer positiven und nachhaltigen Entwicklung der Stadt für alle interessiert ist wage ich mal zu bezweifeln. Die „ nicht ohne Euch“ Kampagne halte ich übrigens für eine lediglich marketingtaktische Farce - wer sich hier ausmalt Wirksam durch Beteiligung zu werden macht sich was vor im besten Falle hält einen dieses Format einfach über den Projektfortschritt auf dem laufenden.

  • Ich muss sagen, daß dieses Projekt maximal ein Schulterzucken bei mir hervorruft. Das Objekt für sich genommen, ein toller Bau zu seiner Zeit, aber diese Form der Reko - macht für mich irgendwie schlicht keinen Sinn.

    1. Das Gebäude passt einfach nicht mehr in die Umgebung - es wirkt völlig deplatziert

    2. Es ist dann ein sehr schickes Einkaufsgebäude, wo dann bitte WER? einkaufen geht.

    3. Wir brauchen kein Einkaufshalle dort - wirklich nicht.

    4. Wenn man rekonstruiert, dann doch bitte irgendwie vor dem Hintergrund der Gegend einen fehlenden Bezug wieder zu geben oder
    generell die Umgebung aufzuwerten. Hier sehe ich ein Solitär entstehen, die Aufwertung verpufft.

    Diese Reko macht für mich an Ort -und Stelle schlicht keinen Sinn. Das wäre so, wenn jemand in der Uckermark ein Empire State Building aufbauen möchte. Das Gebäude an sich toll, würde dort aber niemand bauen. So geht es mir mit diesem Gebäude.

  • also der Hermannplatz ist jetzt architektonisch kein absolutes Desaster (abgesehen von derzeitigen Zustand des Karstadt).


    Der Platz ist kleintrilig bebaut und man findet dort auch noch einige Altbauten. Der Platz bedarf definitiv einer Aufhübschung - und zumindest architektonisch gesehen, wäre das ja ggf. ein 1. Schritt. wenngleich es sehr oppulent wirken wird vor Ort vrmtl.


    Und auch die Gegend rund um den Herrmannplatz ist kein Ghetto - dort gibt es mittlerweile viel Kiez-Leben und Kiez-Struktur (Greafekiez, Reiterkiez, Weserkiez sind direkt um die Ecke und mMn. wunderschön)


    Die beiden völlig überfüllten und extrem frequentierten Strassen Sonnenalle und Kottbusser Damm sind natürlich ein krasser gegensatz dazu..

  • Ein großer Teil des Gebäudes wird in Zukunft ja nicht mehr als Shoppingcenter genutzt, der Schwerpunkt liegt doch auf Büros/Wohnungen. Und wenn in Zukunft mehr vom Homeoffice gearbeitet wird, werden die Büros in Senioren Residenzen umgewandelt, da wird sich in den nächsten Jahrzehnten der Bedarf weiter erhöhen...

  • 2. Es ist dann ein sehr schickes Einkaufsgebäude, wo dann bitte WER? einkaufen geht.

    3. Wir brauchen kein Einkaufshalle dort - wirklich nicht.

    Wer ist denn "wir"? Karstadt am Herrmannplatz hat eine wirklich lange Tradition und war trotz der Einkaufszentren bis zuletzt eine DER Einkaufsadressen für Neukölln. Mit der Dachterrasse und der neuen alten Architektur sowie dem künftigen Nutzungsmix kann das also durchaus zukunftsfähig sein. Ich persönlich würde dafür dann sicher etwas öfter nach Nordneukölln/Kreuzkölln kommen als bislang. Auch bei den Touristen ist die Ecke zunehmend populär. Da wäre so eine alternative Version bzw Kreuzköllner Lightversion des KaDeWe ziemlich wahrscheinlich ein Ankerpunkt.

  • Du hättest mit der interessanten expressionistischen Ubahnstation von Grenander schon mal einen tollen Direktzugang mit öffentlichen Verkehrsmitteln - ich bin gespannt ob und wie man den Einstieg in die zu erwartende Konsumerlebniswelt inszeniert - die


    Projektreife scheint über die Aussenarchitektur ja noch nicht hinaus zu sein oder weiß da jemand schon mehr?


    Selbst das vielgescholtene Alexa war beim Innenausbau nicht ungeschickt um Reminiszenzen an die 20er bemüht was auch hier nicht abwegig wäre.


    Die Dachterasse könnte wirklich ein richtiges Highlight werden mit einem eloquenten, kreativen Management liesse sich da eine Institution mit wechselnden Ereignissen eventuell mit saisonalen Höhepunkten für den ganzen Stadtteil installieren auch die ein oder andere Medienübertragungung könnte ich mir vorstellen- das Projekt hat insgesamt viel Potenzial , es wäre begrüßenswert wenn man da nicht zu lau rangeht für so einen wiederbelebten und neuinterpretierten aktiven Begriff der „Kaufhauskultur“ wäre hier sicher nicht der schlechteste Ort.

  • Ich freue mich vor allem, wenn der vermeintlich endlose Traufhöhenbrei in dieser Gegend wieder durch eine Dominante zusammen gehalten wird. Anderenorts leistet dies meist eine Kirche. Die beiden neuen/alten Türme als Leuchttürme können in Zukunft wieder sinnvoll und festlich den wichtigen Hermannplatz im Stadtbild markieren.

    1. Wieso soll das Gebäude hier viel deplatzierter wirken sollte als z.B. das Boulevard Berlin in der Schloßstraße?
    2. Der Investor wird sicher nicht Geld in den Bau des Gebäudes pumpen, wenn er sich nicht davon Profit erhofft. Dass man die Einkaufshalle nicht braucht heißt nicht, dass hinterher dort niemand einkaufen geht... was ziemlich sicher der Fall sein wird, wenn SIGNA bereit ist, diese Investition vorzunehmen. Selbst wenn die Idee als Einkaufscenter langfristig nicht funktioniert wird die Immobilie so attraktiv sein, dass man sie ohne Probleme einer anderen Nutzung zuführen kann.
    3. Ich verstehe einfach nicht, wenn man gegen etwas argumentiert, nur weil man es nicht braucht. Gibt es einen anderen, dringenden und notwendigen Bedarf für genau diese Stelle, der durch den Bau des Gebäudes nicht mehr befriedigt werden kann? Oder geht es einfach darum, prinzipiell Dinge abzulehnen, die man nicht braucht, die also überflüssig sind? Würde man diese Philosophie wirklich konsequent praktizieren, wäre das Leben extrem langweilig und armselig. Die meisten schönen Dinge des Lebens braucht man nicht, man kann auch ohne sie überleben. Wir wollen sie trotzdem, weil sie das Leben interessanter machen und über einen bloßen Kampf um das Überleben erheben. Mit einer konsequenten Einstellung, alles Überflüssige abzulehnen, würde es einen Großteil der kulturellen Erzeugnisse der Menschheit gar nicht geben. Aber klar, lasst uns allem Überflüssigen den Kampf ansagen! Wo wir schon dabei sind, lasst uns auch den Eiffelturm einschmelzen, denn der ist im Grunde nur ein Marketinginstrument der Pariser Tourismusindustrie und der Stahl ist eine wichtige Ressource, der für den Bau von Gerätschaften für die Landwirtschaft benötigt wird... you know, Dinge die man BRAUCHT, damit man nicht verhungert, und nicht dieser exzentrische, überflüssige und elitäre Schrott.

      Nur um es klarzustellen: Mir ist dieses Gebäude nicht so wichtig, dass ich die Argumentation mit einer philosophischen Grundsatzdebatte schon fast ins Absurde verzerren muss.

      Dieses Scheinargument des "Nicht-Brauchens" sehe ich in Diskussionen aber immer wieder und es ist mir extrem zuwider. "Brauchen" ist nicht absolut. Es gibt nur "Brauchen, um zu". Brauchen, um zu Überleben. Brauchen, um auf eine bestimmte Weise zu leben. Wir brauchen Dinge nur, damit sie eine bestimmte Funktion erfüllen. Und diese Funktion wird ausnahmslos durch den eigenen Willen oder den Willen anderer Menschen bestimmt. Selbst das eigene Überleben ist keine Notwendigkeit, sondern ist dem eigenen Willen (oder schlechtestenfalls dem anderer Menschen) unterworfen. Das Bedürfnis zu überleben resultiert aus dem Willen, zu überleben.

      Wenn wir also sagen, "Ich brauche X", meinen wir in Wirklichkeit: "Ich brauche X, weil ich Y will". Wenn wir sagen "Ich brauche X nicht", meinen wir in Wirklichkeit "Ich will X nicht, weil ich Z nicht will". Die Frage ist, ob X identisch mit Z ist, also ob wir X nicht wollen, weil wir das Ding X an sich nicht wollen, oder weil X ein Proxy für ein anderes Ding Z ist, das wir nicht wollen.

      Wer also gegen X argumentiert, weil er es nicht braucht, verschleiert entweder seine wahren Beweggründe, also dass er ein Ding Z nicht will, oder (und das ist noch viel schlimmer) er ist nicht seines eigenen Willens bewusst. Wer nur die Dinge will, die er zu brauchen glaubt, ist in Wirklichkeit jemand, der sich seines eigenen Willens nicht bewusst ist. Jemand, der seines Willens nicht bewusst ist, kann seinen Willen nicht oder begrenzt bewusst formen, das heißt sein Wille kann zwar spontan intrinsisch entstehen, aber er kann den Prozess nur schwer nachvollziehen. Das macht einen solchen Menschen anfällig dafür, dass seine Bedürfnisse von außen diktiert werden, oder noch fundamentaler, dass sein zugrundeliegender Wille extrinsisch geformt wird, sei es durch natürliche Einflüsse oder durch den Willen anderer Menschen. Das ist eine Mentalität der Knechtschaft. Ein freier Geist tut Dinge, weil er sie will und nicht, weil er denkt, sie zu brauchen. Wer sein ganzes Leben auf die Befriedigung der Dinge ausrichtet, die er vermeintlich braucht, ist ein Spielball der Kräfte um ihn herum und nicht ein Meister seines Willens.

      Die Frage ist also: Willst du dieses Gebäude seiner selbst oder anderer Dinge wegen einfach nicht und versuchst du davon mit fadenscheinigen Argumenten abzulenken, oder bist du dir gar nicht dessen bewusst, dass du das Gebäude nicht willst?

      Dann kannst du das auch so sagen und wir werden deine Meinung vielleicht anfechten, aber (hoffentlich) respektieren.
    4. Das Guggenheim in Bilbao ist auch so ein "Empire State Building in der Uckermark". Wieso ein Guggenheim-Museum in Bilbao, noch dazu in einer damals heruntergekommenen Hafengegend? Weil es die Gegend aufwertet und für zusätzliche Dynamik sorgt. Und weil es GEIL ist. Früher konnten sich nur wenige ein Bilbao mit dem Guggenheim vorstellen, inzwischen kann sich keiner mehr Bilbao ohne das Guggenheim vorstellen.
  • Die Diskussion des "brauchen oder nicht..." ist völlig überzogen. Ich liebe schöne Architektur und ich bin der letzte der ausschließlich Kosten/Nutzen betrachtet....ABER noch einmal - ich habe keine Gegenargumente gefunden zu meiner Ausführung hinsichtlich der Umgebung in die das Gebäude quasi gepflanzt wird. Es gibt keinen architektonischen Bezug und wer das dann mit einer Mall in der Schloßstraße vergleicht...oh je das ist das schwächste aller Argumente.
    Ich will es mal auf die Spitze treiben, dann verstehst Du es vielleicht. Wie wäre es, wenn man dort ein Barockschloss wieder aufbauen würde? Würde man dann in die Hände klatschen?

    Nein, mir geht es darum das, wenn man sich schon an Rekos heranmacht, dann doch bitte dort, wo die Reko auch einen "würdigen" Platz findet. Ich bleibe dabei, diese Reko braucht kein Mensch - weil Sie an dem Ort unsinnig ist. Diese Architektur findet überhaupt keinen Anschluss, Sie ist in der Stadt so oder so kaum noch zu finden. Es gibt mit gutem Willen ein Eckgebäude gegenüber - ich bin mir gerade nicht ganz sicher - das ein bisschen aus einer ähnlichen Zeit stammt, ansonsten einfach ein Gebäude was so erhaben ist, an der Stelle wirklich für mich nicht nachvollziehbar.

    Ach ja und noch eine Mall - ähm na ja spricht für sich. Außerdem wette ich 1000€ das Signa das Ding andeuten wird, aber nicht 1:1 bauen wird. Ein Kaufhaus in dem dann insbesondere eher weniger "Betuchte" einkaufen, wie soll sich das alles Rechnen.

    Ach ja und selbstverständlich respektiere ich jede andere Meinung, meine Meinung dazu bleibt - ein Kaufhaus im 20´er Jahre-Stil - ein Traum - dort aber einfach an der falschen Stelle.

  • ABER noch einmal - ich habe keine Gegenargumente gefunden zu meiner Ausführung hinsichtlich der Umgebung in die das Gebäude quasi gepflanzt wird. Es gibt keinen architektonischen Bezug.

    Ich bleibe dabei, diese Reko braucht kein Mensch - weil Sie an dem Ort unsinnig ist. Diese Architektur findet überhaupt keinen Anschluss, Sie ist in der Stadt so oder so kaum noch zu finden. Es gibt mit gutem Willen ein Eckgebäude gegenüber - ich bin mir gerade nicht ganz sicher - das ein bisschen aus einer ähnlichen Zeit stammt, ansonsten einfach ein Gebäude was so erhaben ist, an der Stelle wirklich für mich nicht nachvollziehbar.

    Ach ja und selbstverständlich respektiere ich jede andere Meinung, meine Meinung dazu bleibt - ein Kaufhaus im 20´er Jahre-Stil - ein Traum - dort aber einfach an der falschen Stelle.

    Das sind ja immerhin mal Argumente. Aber Du verwechselst hier mE immer noch etwas wollen und brauchen. Zudem verabsolutierst Du weiterhin Deinen Standpunkt: andere Menschen als alexsb73 = kein Mensch, auch wenn Du es zuletzt immerhin doch selbst relativierst.


    Was Deinen Standpunkt angeht, kannst Du gerne dabei bleiben. Ich bleibe aber auch dabei, dass ich es völlig anders sehe. Ich habe mehrere Jahre in der Nähe des U-Bahnhof Karl-Marx-Straße gewohnt und war somit regelmäßig in der Gegend unterwegs. Der Standort des Karstadt liegt sehr exponiert am Kreuzungspunkt einiger der wichtigsten Straßen: Karl-Marx-Straße/Hasenheide, Sonnenallee/Urbanstraße, Hermannstraße/Kottbusser Damm und zudem genau am Übergang der Bezirke Neukölln und Kreuzberg. Vor dem Karstadt findet sich zudem eine große freie Resonanzfläche. Man muss sich das eigentlich nur mal auf einer Karte von oben ansehen. Aber auch aus der Fußgängerperspektive (bzw. Rad- und Autofahrersicht) passt es mE hervorragend von der Dramaturgie her, zumal die Türme ja nicht einmal an den Ecken stehen und so ein fließender Übergang zur Umgebung ermöglicht wird).

    Zudem gibt es in der Umgebung durchaus ähnlich hohe und von ihrem Stil her herausstechende Gebäude wie das Rathaus Neukölln (68m, also nochmals höher als die höchsten Turmspitzen des Karstadt) oder das Amtsgericht Neukölln. Ansonsten findet sich in der Umgebung ohnehin ein Stilmix durchaus repräsentativer historischer Fassaden, schlichter durch die Nachkriegszeit geprägter/teils vernachlässigter Fassaden und mehr oder weniger gelungener moderner Bauten (die Neukölln Arkaden mit ihren Rundungen und den offenen Glasfassaden würde ich hier bspw. zu den gelungeneren Vertretern zählen).

    Bei der Dachterrasse würde ich sogar noch anfügen, dass sie wunderbar mit den großzügigen Freizeit- und Erholungsflächen der Hasenheide und des Tempelhofer Feldes aber auch bspw. mit dem Klunkerkranich oder den Aussichtsebenen der Neukölln Arkaden korrespondiert.

    Ebenso korrespondiert die historische Opulenz mit dem nach wie vor beeindruckenden U-Bahnhof Hermannplatz, wo sich die U-Bahn-Linien 7 und 8 kreuzen und auch diverse Busse angeschlossen sind.


    Kurz gesagt: Einen einheitlichen Stil gibt es in der Gegend ohnehin nicht mehr. Wenn das Umfeld einen solch großen, erhabenen Bau verträgt, dann an exakt diesem Standort, wo er auch nicht ohne Grund auch die historischen Wurzeln hat.

    Ach ja und noch eine Mall - ähm na ja spricht für sich. Außerdem wette ich 1000€ das Signa das Ding andeuten wird, aber nicht 1:1 bauen wird. Ein Kaufhaus in dem dann insbesondere eher weniger "Betuchte" einkaufen, wie soll sich das alles Rechnen.

    Das Karstadt wäre auch künftig keine Mall, sondern ein etwa ebenso großes Kaufhaus wie aktuell mit einigen integrierten kleinen Shops, Souvenirs, Feinkostabteilung etc. Es werden lediglich weitere Nutzungen integriert und eine repräsentativere Fassade installiert bzw. rekonstruiert.


    Was das "weniger Betuchte" angeht: Kreuzberg ist seit einiger Zeit alles andere als verarmt (die Anwohner, nicht der chronisch schlecht wirtschaftende Bezirk). Dort werden inzwischen (eigentlich schon seit Jahren) mit die höchsten Mieten der Stadt erzielt. Aber auch aus dem ganzen Umkreis bis runter nach Rudow kommen Menschen verschiedener Einkommensschichten zu Karstadt und würden es zunehmend wieder tun. Warum soll man jedes Mal zum Potsdamer Platz oder Kudamm, wenn man neben ebenfalls für hunderte Millionen aufgewerteten Gropius Passagen und den Neukölln Arkaden sowie Einkaufsstraßen und Märkten wie am Maybachufer etc. auch wieder ein richtig schickes Karstadt hat? Hinzu kommen die Touristenströme, die sich auch zunehmend in diese Gegend ergießen. Ganz davon abgesehen: Auch die Pariser Galeries Lafayette vertreten den Standpunkt, dass man auch über eine Masse an erschwinglichen Produkten Kunden anzieht und sich dort möglichst alle "Schichten" mischen sollten. Bedeutsamkeit (und Wirtschaftlichkeit) heißt nicht immer, dass man die sprichwörtlichen oberen 10.000 anvisiert. Eine repräsentative Fassade und Einrichtung bedeutet lediglich, dass man AUCH wohlhabendere Menschen lockt und eben alle Anderen, wenn sie sich mal einen gewissen Genuss gönnen wollen. Gerade das ist mE zukunftsfähiger als das jetzige Erscheinungsbild. Aber was weiß schon ich (oder Signa) über solche Dinge?

    Einmal editiert, zuletzt von jan85 ()


  • Das Argument, der Bau habe dort keinen Bezug und stehe dort, wie ein Wolkenkratzer in der Uckermark, ist einfach Unsinn und zeugt, nun ja, wovon wohl ...


    Signa nimmt diese Art von Neubau ins Visier, weil sich nahezu jedem erschließt, dass der hierhin passt und hier genau dieser Bau fehlt und er daher politisch schwerer zu verhindern ist.

  • Hallo,

    ich würde tatsächlich den Wiederaufbau begrüßen, aber wenn man sich Luftbilder aus den 1920er Jahren ansieht, kann man schon zu dem Schluss kommen, dass der Bau damals wie heute nicht so recht dorthin passt.


    Damals war es sicher ein Symbol des Aufbruchs und kann so auch als Startschuss für eine großflächige Umgestaltung gesehen werden.


    Heute ist aber die politische Zielrichtung komplett anders, dennoch sollte hier nicht die Chance vergeben werden, ein architektonisches Highlight wieder entstehen zu lassen.


    Vlt. würde es helfen, mal einen alternativen Entwurf (auch mit anderem Konzept) zu vergleichen.


    LG

  • Also in ganz Deutschland stehen Dutzende Kaufhäuser in Bestlage leer... sowohl von Karstadt und Kaufhof als auch ehemalige Saturnmärkte oder Modehäuser.


    neukölln bekommt die Chance das hier ein offenes Gebäude entsteht mit riesiger öffentlicher Dachterasse und Wohnungen und Büros ... ein Ort wo was passiert, es wird ab Eröffnung ein Hit ... denn zum Beispiel das sehr beliebte Klunkerkranich nimmt mehrere Euro Eintritt und man muss trotzdem bis zu 1 Stunde in der Schlange warten... also wäre eine weitere kostenlose Dachterasse für Konzerte und Gastronomie sicher sofort gut besucht.


    Ich hoffe sehr das die ewigen Gegner von Veränderung am Ende hier nicht alles verhindern.


    oder wollt ihr lieber ein weiteres Schnäppchenparadies? Oder Primark?

  • Vlt. würde es helfen, mal einen alternativen Entwurf (auch mit anderem Konzept) zu vergleichen.

    Die beiden Alternativen am Bau ansich sind ja nun bekannt.

    Ich persönlich empfinde den neuen Entwurf als sehr wohlwollendes Entgegenkommen.


    Das Konzept empfinde ich außerdem als recht ausgewogen.

    Karstadt in etwa den gleichen Ausmaßen wie Heute, zusätzlicher Einzelhandel, Wohnungen, Kita, Gastronomie, Erholungs- u. Freizeitangebot (Dachterasse) usw.

    In meinen Augen ist das ein sehr verheißungsvolles und zukunftsorientiertes Angebot an Kreuzberg und nebenbei auch Neukölln.


    Übrigens, da fiele mir noch eine dritte Alternative ein...

    ..es wird nichts gebaut und Karstadt macht über kurz oder lang dicht, das Gebäude stünde leer und der Hermanplatz hätte ein neues, sichtbares Aushängeschild einer Verwahrlosung, das Ganze garniert mit optimalem Verkehrsanschluß durch U-Bahn, Busse und in Zukunft Straßenbahn.



    neukölln bekommt die Chance...

    Unbestritten wäre das auch eine Chance für Neukölln, können wir aber bitte in der Argumentation genau bleiben...


    Das Karstadtgebäude befindet sich im Zuständigkeitsbereich Stadtteil Kreuzberg (mit bisheriger Ablehnung) und der Hermannplatz im Stadtteil Neukölln (mit bestehender Zustimmung), ohne Zuständigkeit.



    Gruß, Jockel

  • Jockel HB Eine Seite des Karstadt befindet sich im Neuköllner Einflussbereich und Karstadt ist gerade auch für Neukölln eine feste Institution. Das kann man also nicht so leicht trennen.

  • ^ Das ist halt ein bisschen die Krux: Die seltsame Bezirksgrenze am Hermannplatz. Städtebaulich gehört das Gebäude eigentlich zu Neukölln (es prägt einen Neuköllner Platz), baurechtlich zu Kreuzberg. Das macht die politische Lage nochmal komplizierter.