Frankfurt will komunale Wohnungen abstossen...
so betitel die FAZ einen Bericht in der heutigen Rhein-Main-Zeitung. Eigentlich müsste es lauten: muss abstossen Es geht konkret um neun Liegenschaften, die sie im Wege des Vorkaufsrechts seit 2017 in Milieuschutzgebieten erworben hatte, nachdem sich die Voreigentümer geweigert hatten auf Modernisierungen bzw. Aufteilung Wohnungseigentum zu verzichten. Mit dem Kauf der Häuser war die Erwartung verbunden, preisgünstige Mietwohnungen zu erhalten. Das Haus Jordanstraße 3 zum Beispiel ist in einem so schlechten Zustand, dass die Wohnungen gar nicht mehr vermietet werden konnten. Eine Sanierung sei in den vergangenen Jahren immer wieder angekündigt worden. Wegen des enormen finanziellen Aufwandes sei es aber dazu nicht gekommen.
Inzwischen sollen die Liegenschaften wieder verkauft werden, bzw. Erbbaurechte daran vergeben werden, müsste heißen: müssen verkauft werden, denn die Stadt darf sie kraft Gesetzes nicht behalten. Fraglich ist nur an wen. Sicher ist indessen, dass die Ausübung der Vorkaufsrechte ein riesiges Verlustgeschäft für die Kämmerei ist. Die schlechte bauliche Zustand der städtischen Liegenschaften ist aber keineswegs auf diese neun Liegenschaften beschränkt, sondern ein verbreitetes Problem bei städtischen Liegenschaften. Die ABG Frankfurt Holding, die als Erwerber ins Gespräch gebracht worden war, hat schon abgewunken.
ABG-Geschäftsführer Frank Junker wird zitiert mit den Worten, „aus den Mieteinnahmen sind die Kosten für die Instandhaltung nicht zu erwirtschaften“. Allenfalls als Dienstleister für die Stadt könne die ABG tätig werden. Doch diese Leistung sei nicht kostenlos: Die Stadt müsse die nötigen Mittel bereitstellen, meint Junker.
Man könnte sagen, politisches Wunschdenken trifft auf Realität. Die Vorstellung der Römer-Koalition, man könne durch milieuschutz-induzierte Vorkaufsrechte preiswerten Wohnraum erhalten, erweist sich als Trugschluss. Dabei hätten sie es wissen müssen, denn in den 90er Jahren hat es schon einmal einen "Befreiungsschlag" dieser Art gegeben. Damals wurden Hunderte von Häusern verkauft, die die Stadt teils schon in der Wiederaufbauzeit erworben hatte, etwa für Straßenverbreiterungen. Schon damals waren zahlreiche Wohngebäude regelrecht kaputtgewirtschaftet worden, weil das damalige Liegenschaftsamt zu einer ordnungsgemäßen Bewirtschaftung nicht in der Lage war.
Heute ist es wieder genauso, nichts dazu gelernt: Insgesamt verwaltet das Amt für Bau und Immobilien rund 1000 Wohnungen der Stadt und der Stiftung Allgemeiner Almosenkasten. Für größere Investitionen müssen meist Mittel im Haushalt beantragt werden, was sich über mehrere Jahre hinziehen kann. Jeder kann sich ausmalen, dass die Mängel mit der Zeit nicht kleiner werden und die Baukosten nicht sinken werden - eine desaströse Politik, würde ich sagen.