Bauprojekte an der East Side Gallery (Living-Levels und Pier 61/64)

  • Was die Höhen betrifft ist die Bauordnung hilfreich. Bis 22 Meter letzter Fussboden ist es ein normaler Bau, höher eben ein Hochhaus. Deshalb lohnt es sich dann eben erst ein richtiges Hochhaus zu bauen.

  • Die Diskussion an dieser Stelle hat sich selten um die Qualität der Architektur gedreht, sondern vielmehr um Fragen wie
    - Darf dort (am Mauerstreifen) überhaupt gebaut werden?
    - Wenn ja, in wieweit darf dort ein Investor Eigentumswohnungen bauen?
    - Wenn ja, welche Rolle spielt die Stasivergangenheit des Investors etc….
    Kritik an der eigentlichen Architektur habe ich außerhalb dieses Forums nicht unbedingt gehört…


    Ich finde die Architektur ja auch nicht schlecht, hätte mir an dieser Stelle aber einen richtigen Wolkenkratzer gewünscht. Besser wäre es wohl noch, wenn man exakt an den beiden Enden der Gallery zwei schöne Wolkenkratzer gebaut und somit dieses Wahrzeichen affirmiert und wertgeschätzt hätte.

  • Interessant wäre echte Architektur, die Menschen verbindet und auch Kritiker verstummen lässt, weil es ebend gute Architektur ist und damit über dem Ganzen steht...


    Sowas wäre die Quadratur des Kreises: Architektur kann nicht "über dem Ganzen" stehen, weil sie Teil des Ganzen ist – sprich: Teil der Gesellschaft und der Zeit, vor deren Hintergrund sie entsteht. Sie ist technisch dem Stand der Entwicklung unterworfen, ästhetisch ihrem jeweiligen Zeitgeist verhaftet und ökonomisch abhängig von den Zwecken des Bauherren. "Echte Architektur" im Sinne von "kulturell wertvoll" lässt die Kritiker deshalb auch selten verstummen, sondern ruft im Gegenteil meistens heftige Kritik hervor – weil sie mit Konventionen bricht, weil sie Mut zur Zumutung hat, weil sie die Form radikal der Funktion unterwirft oder weil sie im Gegenteil auf Funktion pfeift und reine Form erschafft (also eine Art Skulptur, deren Nutzen nachrangig ist). "Echte Architektur" wird, mit anderen Worten, interessant, weil sie sich in Widersprüche verstrickt, und nicht, weil sie auf Anhieb allen gefällt.


    Darum geht es bei diesem Haus aber gar nicht, weil dieses Haus keine Kunst sein will, sondern ein gefälliger Zweckbau, in dem reiche Leute eine hübsche Wohnung finden. Das ist m.E. auch ganz gut gelungen (wenn man mal von dem Dachaufbau absieht). Ob das Projekt jedoch städtebaulich ebenso gelungen ist, steht auf einem anderen Blatt: Einerseits gefällt mir die Idee eines Hochhausviertels am Ostbahnhof; und wenn es mal fertig ist, wird es die Touristen-Postkarten-Perspektive von der Oberbaumbrücke Richtung Innenstadt sicher trefflich ergänzen. Andererseits hatte sich die Eastside-Gallery inkl. Parkstreifen zur Spree zu einem lebendigen Stück Stadtgeschichte entwickelt, das nun wohl parzelliert und schrittweise zerstört werden wird.


    Als die Bauarbeiten losgingen, war ich schlicht ein Gegner des Projekts. Inzwischen bin ich nicht mehr so sicher. Was soll ich sagen? Zweifelnd schreiten wir voran... ;)

  • schon klar aber ... + WER HAT NEUE BILDER?

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    Lieber Architekturfreund, das ist mir schon klar. Mir geht es bei dem Gelände an der o2 vor allem um die ganzen Traufhöhe-Bauten ohne jeglichen Stil und die ganze Aufteilung des Viertels.


    Die ganze Stadt redet über irgendwelche Mediaspree-Grundstücke freihalten. Dann werden Hochhäuser verboten und stattdessen werden dutzende Betonkästen in Traufhöhe gebaut.


    Kann da nicht die Bausenatorin mal eingreifen und Hochhäuser erlauben und den frei bleibenden Platz für Sport und Parks zur Verfügung stellen?


    Oder wie findest du diese ganzen Bauten von Zalando bis strauss+partner oder das holiday inn?


    Dazu wird die neue Mall nach ersten entwürfen alles andere als ein highlight. Nicht mal das Dach ist begrünt oder mit einem Sportplatz versehen wie bei Metro...


    Da ich grad bis Weihnachten im Ausland bin: WER HAT NEUE BILDER VON LIVING LEVELS?

  • Ich hab von einer Freundin ein Foto vom Dach der LL zum Verwendung fürs DAF zugespielt bekommen, die Aufnahme stammt von vor ca. 2-3 Wochen :)



    Quelle: Privatfoto zur Veröffenlichung im DAF freigegeben. Gesicht wunschgemäß per Photoshop verzerrt.

  • Update

    Der Turm schält sich langsam raus. Bin angetan.


    Von Westen:

    Von Norden:

    Von Osten:


    Ich finde, dass dieser moderne Wohnturm recht stilsicher daher kommt.

  • Ja, Living Levels sieht besser aus, als ich es erwartet habe.


    Gut gegliedert, angemessene Größe, angenehme Anmutung.
    Und das bei Winterwetter!


    Jetzt würde ich mir sogar mehr davon wünschen... ;)

  • Als bekennender Fan traditioneller Architektur kann ich auch an diesem Ort damit gut leben: saubere Moderne, leider bald bunt gesprenkelt (ich bin's dann nicht gewesen).

  • Besten Dank für die Fotos :applaus:


    Gefällt mir sehr gut der Turm. Wie Konstantin schon schrieb: saubere Moderne. Und mit dem dunkleren MBV-Turm ergibt sich eine interessante und kontrastreiche Torsituation.

  • Was heißt "weiß"? Ich sehe nur noch schwarz. Davon abgesehen finde ich diese Art des Aufbaus akzeptabel. Sieht recht elegant aus. Schlimmer finde ich Stückwerk, das Unruhe reinbringt und das Dach quasi verschandelt.


    Das Linving-Levels-Dach sieht auch ganz okay aus, sähe aber vielleicht besser als geschlossener Kasten aus mit ordentlichen Wänden und etwas flacher.

  • Das ist ja witzig! Sieht aus wie ein Fragment von einem dieser neuen riesigen Ozean-Luxusdampfer, wie ich sie immer in Hamburg sehe, wenn sie am neuen Terminal Hafencity festmachen. Sehr originelles Design! Gefällt mir sehr an diesem Ort. Moderne kann es auch besser, jetzt auch in Berlin. :daumen: