Ich fände es pikanter, wenn ein ehemaliger IM sich für den Erhalt der Mauer öffentlich aussprechen würde.
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Hier möchte ich mich auch mal zu dem Streit äußern. Ich finde es ein Unding, wie hier mit einem berliner Wahrzeichen umgegangen wird.
Die East-Side-Gallery hatte gerade durch den durchgehend geschlossenen Mauerabschnitt die Teilung etwas erlebbarer gemacht, als an anderen Mauergedenkstätten in der Stadt. Diesen durchgehenden Mauerabschnitt zerstückelt man nun langsam. Das man für die Anschutzgruppe vor der O2 World ein Anleger genehmigt hat, war schon fast zuviel, aber nun gut, damit habe ich mich damals auch leicht skeptisch abgefunden.
Nun gewinne ich aber langsam den Eindruck, als wenn Bezirk und Senat bereit wären für ein paar Haushaltsmillionen die East-Side-Gallery weiter zu verstümmeln. Das ist in meinen Augen unerträglich. Hier verschärbelt man ein Wahrzeichen und ein ganzes Stück Berliner Geschichte.
Ich bin sonst sehr investorenfreundlich und meist gegen die investorenfeindliche Stimmung in manch anderen Stadtlagen, aber hier stehe ich absolut auf der Seite der Kritiker.
Wenn man schon umbedingt eine Bebauung zwischen East-Side-Gallery und Spree an der Stelle haben will, dann haben die Anwohner ihr Auto nunmal wo anders zu parken, z.b. im Parkhaus an der Anschutzarena oder in der Nähe und keine Zufahrt!
Es hätte hier durchaus andere Lösungen geben können.
Meiner Meinung nach hätte man hier ganz auf eine Bebauung verzichten können. Bars und Restaurants, ähnlich wie an der Spree nähe Schweizer Botschaft hätte ich mir hier vorstellen können mit breitem Uferweg an der Spree.
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Meiner Meinung nach hätte man hier ganz auf eine Bebauung verzichten können. Bars und Restaurants, ähnlich wie an der Spree nähe Schweizer Botschaft hätte ich mir hier vorstellen können mit breitem Uferweg an der Spree.
Deine Meinung kann ich voll unterschreiben. Man hätte an beiden Enden der Gallery zwei richtig hohe und schicke Wohnhochhäuser errichten sollen, um den Wahrzeichencharakter zu stärken. Die Idee mit den Bars ist wirklich gut und angemessen. Das Traurige an unserer Stadt ist, daß sowohl Bürger als auch Politiker wenig von der Einzigartigkeit bestimmter Berolinismen begreifen und unsere Stadt wie ein Dorf behandeln.
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Die Mauerdurchbrüche tun der ESG m.E.gut. Die Mauer ist für viele durchschnittlich zu Fuß unterwegs seiende Touris zu lang. Die laufen den ganzen Tag durch die Stadt und haben dann oft keine Lust an der vielbefahrenen Mühlenstraße mehr als 1 km abzuschruppen.
Zumal beide Seiten der ESG gestaltet sind, ist ein Wechsel zwischen Straßen und Parkseite IMHO absolut sinnvoll. Ich bin für 2-3 zusätzliche Mauerdurchbrüche, die Elemente müssten nur einige Meter versetzt werden,dadurch könnte man schneller die Seiten wechseln und die ESG besser von beiden Seiten erleben.
@ Siegriefludi: Die Durchbrüche beim Living Level sind schon wegen der Zugänglichkeit für Rettungsfahrzeuge zum Gebäude absolut notwendig. Und wie geschrieben, ich begrüße die Durchbrüche auch aus vorweg beschriebenen Gründen.
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^ Nur ist die ESG nicht ausschließlich Ausstellungsstück für Touristen, sondern hat durch die Länge und macht damit die Trennungswirkung erlebbar. Das geht durch weitere Durchbrüche völlig verloren bzw. wird ad absurdum geführt und führt nur zur weiteren Trivialisierung des Ganzen.
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Also aus meiner Sicht ist die ESG ungeeignet einen Eindruck von der Teilung zu vermitteln. Dieses bunt bemalte Stück Wand entbehrt doch jeder Authentizität, die dafür von Nöten wäre. Die Kunstwerke geben der Mauer etwas kreatives, schönes oder skurriles aber nichts bedrohliches. Das man bspw. abgeknallt wurde, wenn man auch nur nah genug ran kam um dort was ranmalen zu können, sagt einem das Ganze nicht. Insofern ist die Bebauung samt Durchlässen nur eine Fortführung der Trivialisierung.
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Sicherlich, hundertprozentig wird man die Zeit und die Geschehnisse nie wirklich wiederspiegeln können. Aber durch die Länge und durchgehend geschlossene EastSideGallery kommt schon ein Gefühl davon auf, was hier mal geteilt war und wenn man dort lang läuft, fragt man sich, was wohl auf der anderen Seite zu sehen ist. Dieses Gefühl der Teilung ist doch sonst nirgends mehr in Berlin zu erleben, was das Geschehen in der Stadt so lange bestimmt hat.
Die anderen Gedenkstätten machen vielleicht mehr auf andere Aspekte der Mauer aufmerksam, wie z.b. dass es rund um die Mauer zahlreiche weitere "Sicherheitsmaßnahmen" gab, aber die ESG verkörpert schon in einem großen Maße die Teilung der Stadt. Durch die Zerstückelung der ESG verliert diese mehr und mehr diese Wirkung. Der Umgang ist respektlos meiner Meinung nach. Es ist ein Wahrzeichen Berlins und solch ein langes Stück Mauer gibts nun auch kaum noch wo anders. Warum man hier umbedingt ein Wohnhochhaus dazwischen quetschen musste, bleibt mir wirklich schleierhaft.
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^Wäre die Hinterlandmauer an der Mühlenstraße nicht mit Streetart bemalt und so ihrer zeithistorischen Zeugenschaft vollständig entkleidet, würde sie jeder abbrechen oder zumindest perforieren wollen.
Du scheinst auch so ein kalter Krieger zu sein wie Necrokatz.
Es ist schon ziemlich deppert zu behaupten, daß die künstlerische Gestaltung die "Hinterlandmauer"
so ihrer Zeitzeugenschaft beraubt. Und das auch noch "vollständig".
Mir werden diese neurotischen Antikommunisten immer ein Rätsel bleiben.
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Also... einen (auch nur gefühlten) Zusammenhang zwischen Antikommunismus und dem oben geschilderten persönlichen Empfinden an der ESG kann ich beim besten Willen nicht herstellen.Tatsächlich finde ich auch, dass die Mauer an dieser Stelle durch die Bemalung kein geeigneter Erinnerungsort (um der Teilung der Stadt zu gedenken) mehr ist. Für mich persönlich wird die Geschichte viel eher an der Mauer-Gedenkstätte in der Bernauer Strasse lebendig.
Insofern bin ich auch für Durchbrüche. Denn auch das hat ja eine geschichtsträchtige Symbolik, nicht wahr?
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Es ist schon ziemlich deppert zu behaupten, daß die künstlerische Gestaltung die "Hinterlandmauer"so ihrer Zeitzeugenschaft beraubt. Und das auch noch "vollständig".
Nun, in Verbindung mit Mützenverkäufern, Currywurst und Dauerparty erschließt sich die 'Zeitzeugenschaft' wohl nur noch den wenigsten Besuchern... -
Ich kann die Begeisterung nicht verstehen, ein plumper und, von der Fassade her, an die späten sechziger/frühen 70er erinnernder Kasten mit peinlichen Technikaufbauten(gut, das ist ja dann tatsächlich typisch Nullerjahre und damit das einzig wirklich Moderne an diesem viel zu kurzgeratenen Monolith) der mal eben autistisch in eine Grünfläche reingeklotzt wurde und jetzt die Eastside-Gallery dominiert.
Scheiss auf Uferpromenade und Mauergedenken, hier will die Highsociety wohnen, Basta!
Welches Mauergedenken?????????????????????Die Eastsidegallery ist kein Mauermuseum und es ist auch nicht schlimm wenn mann alles vollbaut.Es ist ne Kunstwand die zwischen Neubauten und die Wand ist zufällig ein stück berliner Mauer. -
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Was? Zufällig ein Stück Berliner Mauer?
Nun es ist selbstverständlich eine Gedenkstätte der Wende, was aber aus meiner Sicht nicht heißen muss, dass sie auf ewig genau so und "undominiert" stehen bleiben muss.Auch durchgänge Fände ich z.B. schon aus symbolischen Gründen praktisch.
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Die 'East Side Gallery' ist eine Freiluftgalerie und keine 'Gedenkstätte'. Diesen Anspruch kann das Areal schon aufgrund des ganzen Umfelds (immerhin ist die Strandbar verschwunden) nicht erfüllen. Geschichtlich interessierte Touristen werden an diesem Ort NICHTS über die Dimension und Bedeutung der innerdeutschen Grenze erfahren und stattdessen vollkommen falsche Eindrücke mit nach Hause nehmen.
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Es geht hier auch nicht um Bedeutung und Dimension der innerdeutschen Grenze, sondern eher um die Dokumentation der (Aufbruchs-)stimmung nach dem Mauerfall (dh. zu dem Zeitpunkt, an dem diese Galerie entstand, 1990).
Insofern würde ich dafür plädieren, die East Side Gallery aktiv in die Planungen zum Areal mit einzubeziehen, aber ihr nicht die Bedeutung eines unantastbaren Mahnmals zuzuschreiben.
Durchbrüche sind meiner Meinung nach ein guter Weg, um die dahinterliegenden Flächen zu erschliessen und heben den Galeriecharakter nicht auf. Die (immer noch geplante?) Brommybrücke würde die an beiden Ufern liegenden Stadtteile weiter zusammenwachsen lassen.
Wenn ich recht informiert bin, soll neben dem Living Levels ein weiterer Bau (Hotel?) entstehen, sowie der Uferweg auf voller Länge erhalten bleiben. Gibt es darüber hinaus eine weitere Planung für das Areal?
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@Tel
Natürlich ist sie trotzdem eine Gedenkstätte. Sie ist wie z.B. das Brandenburger Tor ein Symbol für Teilung und Wiedervereinigung. Wenn ich mich nicht irre ist sie nach diesem sogar das international bekannteste Symbol, noch vor Checkpoint Charlie. Aber bei der genauen Reihenfolge bin ich mir nicht mehr sicher, ich finde den Artikel nicht wieder wo ich meine es gelesen zu haben.Du beschreibst eine bestimmte Gedenkstättenart, ähnlich wie z.B. einige ehemalige KZ, aber diesen Anspruch haben die wenigsten Gedenkstätten.
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Die East Side Gallery ist auch eine Gedenkstätte der Berliner Mauer. Ich bekomme dort keinen "falschen" Eindruck. Sie symbolisiert eben beides, Grenze und Aufbruch.
Leider gibt es immer ein paar Leute mit DDR-Komplex, die es wurmt, daß solch ein Stück Mauer auch sehr positiv besetzt ist, und es daher geringschätzen.
Das ist so ein bißchen wie mit den Panzern im Tiergarten. Manche Leute haben ein etwas engstirniges Geschichtsbild, von Ideologie geprägt. Diese Leute erweisen aber Berlin einen Bärendienst - wenn man z.B. die Panzer am Ehrenmal entfernen würde oder die East Side Gallery allzu stark beschädigen oder mit Gebäuden vollstellen würde.
Finde immer lustig, wie einige Leute aber auf jeden Fall die DDR in ihrem ganzen Schrecken dargestellt wissen wollen und da ganz schön grimmig sind.
Die East Side Gallery ist von unschätzbarem Wert und sollte nicht den Komplexen von Kalten Kriegern geopfert werden.
Jeder Depp kann sich mit etwas Phantasie das Grenzregime dort vorstellen. Es ist ja nicht so, daß es keine anderen Mauerabschnitte gäbe und die Leute geistig behindert wären.
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Die ESG scheint als Mahnmal oder Denkmal nicht viel zu taugen, wie hier schon richtig bemerkt wurde. Wenn ich mich durch diesen Thread lese, komme ich zu diesem Schluss. Diese bunte Mauer kann keine Gedenkstätte sein, die all das Leid und den Schmerz der Betroffenen auch nur ansatzweise reflektiert. Das zeigen mir ganz deutlich die Bezeichnungen hier wie bspw. ‚Antikommunisten‘ oder ‚Komplexe kalter Krieger‘. In meinem Leben ging die deutsche Teilung quer durch die Familie. Vater auf der einen Seite, Mutter mit drei kleinen Kindern auf der anderen. Der im Osten verbliebene Teil gehörte außerdem zu den elitären Kreisen, die von der Staatssicherheit der DDR mit einem ‚Rund-um-Wohlfühl-Paket‘ ausgestattet wurden. Kein Stück Mauer oder noch irgendein Stein in dieser Stadt wird das in all seiner auch emotionalen Tragweite erfassen können. Diese bunte Mauer ist ein Relikt des Wandels, und keines, das die Jahrzehnte lange Vereisung der deutschen Nachkriegssituation auch nur ansatzweise rüberbringt. Die Kommentare hier beweisen mir das nur überdeutlich. Die East Side Gallery ist ein Relikt aus der Wendezeit, darum sehe ich eine partielle Öffnung als geboten und auch sinnbildlich für eben diese Zeit. Ein Denkmal des Wandels ist sie, darum sehe ich schon ihren Wert als Zeitzeugnis und Kunstgalerie - aber bitte nicht in dieser undurchdringlichen Form!
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Die East Side Gallery ist auch eine Gedenkstätte der Berliner Mauer. Ich bekomme dort keinen "falschen" Eindruck. Sie symbolisiert eben beides, Grenze und Aufbruch.
Ich erfahre regelmäßig, welch verzerrten Eindruck die East Side Gallery von der Mauer hinterlässt - je entfernter der eigene Lebensmittelpunkt vom Ort des Geschehens, desto diffuser die Vorstellung davon. Am Ende bleibt leider allzu oft nur eine lustig-bunte Wand mit freundlichen Würstchenverkäufern in Erinnerung, die wohl so arg schlimm nicht gewesen sein kann... Allerdings ist dies nicht der einzige Ort der Stadt mit ausgeprägtem Kirmescharakter - Checkpoint Charlie ist ja in ähnlicher Weise von der Spaßgeneration vereinnahmt. Da ist aber immerhin noch ein Museum anbei und ein paar Erklärtafeln.
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Diese bunte Mauer kann keine Gedenkstätte sein, die all das Leid und den Schmerz der Betroffenen auch nur ansatzweise reflektiert.
Das nimmt auch niemand für die Galerie in Anspruch. Sie ist einfach der Versuch aus etwas schlechtem etwas gutes und schönes zu machen und ein weltweites Symbol für Teilung und Wiedervereinigung. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Aufklärung leistet so gut wie kein Denkmal.Aber in der Hauptsache sind wir uns ja eh einig, ich bin auch klar für Durchbrüche.
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Die East-Side-Gallery funktioniert doch gerade deswegen, weil sie so lange ununterbrochene Abschnitte hat und damit als einziger erhaltener Teilabschnitt die räumliche Dimension der früheren Trennung verdeutlicht. Etwas, das beispielsweise an der Bernauer Strasse heutzutage trotz allen Bemühungen nur schwer möglich ist. Dafür werden dort andere Aspekte näher beleuchtet. Jeder weitere Durchbruch verringert diese ikonische Funktion, so dass dann irgendwann vermutlich wirklich nur noch eine banale Mauer mit bekannten Bildern dort steht.