Potsdam: Lustgarten

  • @ Lutz Boede:


    Na, das ist ja immerhin schon mal ein Diskussionsansatz. Also dann!


    Ich würde meinerseits nicht bestreiten, dass es auch gute DDR-Architektur und -Städtebau gab: In Berlin zum Beispiel die Karl-Marx-Allee (und da würde ich den jüngeren, westlichen Teil sogar mit einbeziehen), das Haus des Lehrers und die vier Wohnplatten südlich davon, ebenso einige Einzelgebäude rund um den Gendarmenmarkt. Das alles soll man bitte dauerhaft erhalten, und wenn bei einem dieser Gebäude jemals die Abrissbirne schwingen sollte, gehe ich garantiert auch auf die Straße.


    In Potsdam fällt mir allerdings kein einziges Beispiel für gute DDR-Architektur ein. Soll man deswegen dort gleich alle Bauten aus dieser Zeit abreißen? Natürlich nicht. Die meisten werden uns aus wirtschaftlichen Gründen ohnehin noch jahrzehntelang erhalten bleiben (genauso wie die meisten Scheußlichkeiten, die in den 1960ern bis 80ern in Westdeutschland verbrochen wurden).


    Aber umgekehrt muss man ein architektonisch belangloses und städtebaulich eklatant störendes Gebäude wie das Mercure-Hotel auch nicht nur deshalb auf ewig erhalten, weil es zu DDR-Zeiten gebaut wurde.

  • Können wir mal aufhören mit Begriffen wie "Vergeltungsarchitektur" oder auch (an meine Adresse) mit "Staatratsdurchsetzungsarchitektur" zu hantieren. Das hilft nicht einer argumentativ-zivilisierten Auseinandersetzung... Nur mal so.

  • Hallo,


    na da hat Potsdam wohl ein dickes Problem... aber irgendwie will Potsdam aus meiner Sicht auch zu viel! Letztlich ist da quasi eine Stadtautobahn, die wohl so schnell nicht wegzubekommen ist. Das Hotelhochhaus, so qualitätvoll seine Architektur aus ihrer Zeit heraus auch immer sein mag (für die Erbauungszeit kein schlechtes Ding) steht da mit dem neuen Landtag einfach mal dämlich rum, da gebe ich Architekten und Städteplanern einfach recht. Allerdings dürfte der Bezug zwischen Landtag und südlichem Havelufer mit dem Abriss des Mercure auch nicht so recht wieder herstellbar sein. Immerhin gibt es da eine Bahnlinie und das Ufer ist durch Verlandung ziemlich weit weg. Ist ein Abriss des Hotels überhaupt realistisch? Nur weil eine Stadtverwaltung das möchte, die zudem kaum Geld hat? Möchte hier nur auf das Dilemma in Dresden mit dem Hotel am Terrassenufer hinweisen. Das würde ich erstmal abwarten wollen. Weiterhin sind die ehemals weiten Bereiche des Exerzierplatzes ein großes Problem - die Flächen müssen belebt werden, aber wie bekommt man das nachhaltig hin? Wäre es nicht besser das Lustgartenareal mit einer Veränderungssperre erstmal bis zum Abschluss der Baumaßnahmen in der Mitte um Alten Markt und Steubenplatz so zu lassen, wie es ist? Danach wäre es aus meiner Sicht auch deutlich wichtiger, sich um den Platz der Einheit zu kümmern, um ihn als Bindeglied zwischen Altem Markt und Brandenburger Straße zu entwickeln. Dort wäre die Chance die Flächen für den Einzelhandel zu schaffen, die die Mitte dringend benötigt (ab 1000 m²). Hätte Potsdam mit den letztgenannten Baustellen nicht genug zu tun? Zudem wäre noch das Areal hinter dem Kutschstall vernünftig zu entwickeln. In 10 Jahren wäre es dann aus meiner Sicht sinnvoll sich um das Lustgartenareal Gedanken zu machen, um in 15 - 20 Jahren Veränderungen herbei zu führen. Alles zugleich anzugehen - da übernimmt sich Potsdam aus meiner Sicht gewaltig. Ich denke der Stadtkanal als Investruine sollte reichen, oder? Dies die Sicht von mir aus der Ferne.


    Mit besten Grüßen Andreas




    Lustgarten in der Planung bis 1713



    Lustgarten 1850 und 2012



    Dualview südlich des Landtages/Stadtschlosses 2012 / 1850



    Blick vom Steubenplatz zum Lustgarten um 1850

  • Recht hat calabrone sicher damit, dass eine qualitätvolle Entwicklung des Lustgartens unter beibehaltung der Breiten Straße als Durchgangsstraße durch denselben nicht möglich sein wird. Die die jetzige Gestalt der Breiten Straße und deren Verlängerung durch den Lustgarten baulich allesamt nur 1 bis 5 Jahre alt wird es eine Veränderung hier in frühestens 14, 15 Jahren geben, wahrscheinlich deutlich später. In 3,5 Jahren ist auch der Baubeigeordnete, der gegeh einen weiteren Havelübergang plädiert, Stadtgeschichte, s dass sich die Dinge ggf. neu sortieren. Bis dahin wird sich nicht viel tun.


    Die causa "Hotel am Terrassenufer" ist nicht vergleichbar: der Bau steht ja nicht in der inneren Altstadt, schon gar nicht direkt vor der Gartenfassade eines Schlosses. Jenseits des Altstadtrings in Dresden kann ich schon mit solchen Kisten leben, vergleichbar wäre in Potsdam ein Abbruch der Havelhochhäuser an der Neustädter Bucht, den niemand fordert.


    Nichtsdestotrotz ist es wichtig, die langfristigen Verfahren zum Abbruch des Hochhauses weiterzubetreiben; mit jedem Jahr ohne Sanierung wird es wahrscheinlicher, dass Blackstone Tauschgrundstücke annimmt. Allerdings müsste Potsdam auch seine Hausaufgaben machen und Alternativstandorte für ein Drei-Sterne-Budgethotel, dass von der Funktion her in das fussläufige Umfeld des Landtags gehört, zu entwickeln. Ich denke hier sollte man Hinzenberg nicht imer ausschließen.

  • Laut der Maz wurde am 27 Januar von den Stadtverordneten ein Antrag von Linken und Anderen auf eine Bürgerbefragung zum Thema Mercurehotel abgelehnt.
    Diese sollte zusätzlich zum bereits laufenden Werkstadtverfahren durchgeführt werden.


    Diese Information findet man versteckt am Ende des Artikels zu den Ringerkolonnadenin der Maz, "Bauen in der Historischen Stadtmitte" unter dem dritten Punkt.

  • An der ehem. Schwanentreppe an der Langen Brücke sind Bauarbeiten im Gange. Es handelt sich um den neuen "Sevice-Point" (Bauschild) der Weissen Flotte. Architekt ist Winkens Architekten:




  • Na wundervoll - den letzten Baum weggeholzt und einfach mal planlos mitten auf die Treppe geworfen. Heißt dann wohl, dass dieser Zugang zum Wasser nicht mehr nutzbar ist.


  • Schlimm genug, dass die Weiße Flotte dort überhaupt mit derlei Hässlichkeiten ungestraft die Gegend verschandeln darf. Aber das Ganze auch noch per Erbbaurecht für das nächste halbe Jahrhundert - Wer genehmigt bitte sowas?

  • Gestern hat die Stadtverordnetenversammlung alle Abrissfantasien in Bezug auf das Hotel "Mercure" endgültig beerdigt. Es wurde beschlossen, dass keine Steuergelder für den Ankauf und Abriss des Hotels ausgegeben werden sollen. Diese Forderung hatte schon bei der Abstimmung über den Bürgerhaushalt den dritten Platz erreicht. Die Stadtverordneten haben nun diesen Bürgerwunsch übernommen.


    http://www.maz-online.de/Lokal…rgeld-fuer-Mercure-Abriss

  • Von "Endgültig" steht da nichts.
    Da ging es doch um den Bürgerhaushalt 2015/16.
    Zusätzlich sollte man auch erwähnen, dass der zweite Satz des Vorschlags „Solche DDR-Architektur sollte im Zentrum von Potsdam erhalten bleiben, auch wenn es nicht jedem gefällt.“ gestrichen wurde.
    Also unter endgültig verstehe ich was anderes. Man muss es sich besser immer erst selbst durchlesen.

  • Es ist schon einigermaßen bizarr und bundesweit auch ziemlich einmalig, dass sich eine Gemeindevertretung (Stadtverordnetenversammlung) derart von einer absoluten Minderheit bevormunden lässt. Ich zitiere mal: "Erstmals hätten sich mehr als 10.000 Einwohner beteiligt - mehr als sechs Prozent der Gesamtbevölkerung."

  • Von "Endgültig" steht da nichts.
    Da ging es doch um den Bürgerhaushalt 2015/16.
    Zusätzlich sollte man auch erwähnen, dass der zweite Satz des Vorschlags „Solche DDR-Architektur sollte im Zentrum von Potsdam erhalten bleiben, auch wenn es nicht jedem gefällt.“ gestrichen wurde.
    Also unter endgültig verstehe ich was anderes. Man muss es sich besser immer erst selbst durchlesen.


    Beim Mitforisten Klarenbach ist eine manipulative "Wiedergabe" (eher: tendenziöse Verzerrung) von Medienberichten meiner Erfahrung nach leider die Regel und nicht die Ausnahme.


    Für manch einen scheint Propaganda, nicht Diskussion das Ziel seiner Teilnahme hier im Forum zu sein. Das ist bedauerlich, lässt sich aber vermutlich nicht ganz verhindern. Auf die Nerven fällt es aber dennoch.


    Die Frage nach dem Abbruch des Mercure stellt sich ja aktuell nicht.


    Nein, aktuell nicht. Aber spätestens dann, wenn der Lustgarten neu gestaltet sein wird.


    Dass dieser Pavillon jetzt vorab und nicht im Zusammenhang mit der Neugestaltung des Lustgartens gebaut wird, ist schon sehr ärgerlich. Da wird einfach munter weiter geflickschustert, anstatt endlich einmal aus einem Guss zu planen, wozu man erfahrungsgemäß nur alle paar Generationen die Chance hat.

  • ^Nein leider auch nicht dann. Das Interhotel ist im Besitz der Blackstonegruppe welche das Haus z. Zt. nicht veräußern will. Umgestaltung des Lustgartens hin oder her.


    Nur wenn im Verlauf der Entscheidungen um den Lustgarten das Sanierunsziel weiterhin "Lustgarten ohne Mercure" heisst kann Blackstone - wie schon jetzt - nicht mehr modernisieren. Jede Sanierung des Hauses ist im Sanierungsgebiet genehmigungspflichtig. Diese wird die Stadt regelmäßig versagen.



    So könnte sich eine Situation ergeben, bei der sich Blackstone entweder auf ein langes Kräftemessen mit der Stadt einläßt oder - bevor das Haus saniert werde muss - verkauft (an wen auch immer) oder ein Tauschgrundstück der Stadt akzeptiert. Da die SVV nur über Mittel der Stadt entscheiden kann könnte die Stadt das Haus mit Landes-, Bundes-, oder Europafördermittel erwerben und abbrechen.

  • Einigkeit beim Abriss des Interhotels

    Wie die Potsdamer Neuesten Nachrichten melden, wurde gestern die zweite Runde im Werkstattverfahren für den Lustgarten abgeschlossen. Einig sind sich alle Architekten darin, dass das noch aus DDR-Zeiten stammende Hotelhochhaus abgerissen werden muss, da es mit dem historischen Stadtgrundriss inkompatibel ist. Der Plattenbau bildet nicht nur eine massive Barriere zum Lustgarten, sondern versperrt auch die freie Sicht auf das barocke Landtagsschloss.


    Zeitungsbericht: http://www.pnn.de/potsdam/948375/
    Überarbeitete Entwürfe: http://www.werkstatt-lustgarte…entw%C3%BCrfe/pl%C3%A4ne/

  • In der aktuellen Bauwelt gibt es einen Artikel über das Werkstattverfahren Lustgarten.


    Der Artikel kritisiert, dass es in dem Werkstattverfahren zwar eine Bürgerbeteiligung gegeben hätte, dass sich dessen Ergebnisse aber nicht in der Aufgabenstellung für die eingeladenen Architektur-/Landschaftsarchitekturbüros niedergeschlagen hätten. Stattdessen hätte Baudezernent Klipp Ziele formuliert, wie die Wiederherstellung der Sichtbeziehung zwischen dem Landtag und dem Neptunbrunnen, die in den Bürgerwünschen überhaupt keine Rolle gespielt hätten.


    Zudem wird kritisiert, dass Klipps Aufgabenstellung den Beschlüssen der in Potsdam regierenden Rathauskooperation zum Hotel "Mercure" widersprechen würden. Daher könnte sich das ganze Verfahren als "teurer Flop ohne Ergebnis" erweisen.


    http://www.bauwelt.de/themen/b…s-Lustgarten-2317954.html

  • Die Bauwelt merkts auch schon? Das ganze Verfahren droht doch nicht deshalb zu einem Floß zu werden weil die Aufgabenstellung falsch war sondern weil Blackstone das Hotel nicht verkaufen will.

  • Der neue Servicepavillon der Weissen Flotte am Lustgarten nimmt laut einem Bericht der Märkischen Allgemeinen Zeitung langsam Gestalt an. Er ist aus Holz und Glas gebaut, kostet rund 700.000 Euro und soll bis zum Beginn der Sommerferien fertiggestellt sein. Künftig werden darin eine Fahrkartenverkaufsstelle, Toiletten sowie die Hafenmeisterei untergebracht.


    http://www.maz-online.de/Lokales/Potsdam/Neue-Hafenmeisterei